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Ein diffenziertes Bild vom Schicksal der Religionen in der Sowjetunion Lenin glaubte noch, das bürgerliche Phänomen der Religion sterbe von selbst in einer sozialistischen Gesellschaft aus. Der frühe Stalin sah in religiösen Gruppen die Vorhut revanchistischer Überbleibsel der Feudalgesellschaft, die es erbittert zu bekämpfen galt. Der Kampf gegen die Kirchenstrukturen blieb erfolglos, die christlich-orthodoxen Bevölkerungsgruppen der Sowjetunion hielten an ihrem Glauben fest. Stalin änderte den Kurs, da er erkannte, welch wertvolles Werkzeug die Religion für die Erschaffung einer vaterländischen sowjetischen Grundgefühls abgab. "Die zum Zwecke der Erschaffung einer sowjetisch-vaterländischen Identität von Staats wegen eingespannte Orthodoxe Kirche, die Altgläubigen, die Georgische und die Armenische Kirche standen nun wieder – wie schon zur Zarenzeit – „unerwünschten“ Glaubensgemeinschaften wie Lutheranern, protestantischen Freikirchen oder Juden gegenüber. Und eine kolonialistische Spielart des Sowjetpatriotismus brandmarkte Muslime, Schamanisten, Buddhisten und andere Glaubensgemeinschaften im Südosten und Osten des Stalin-Reiches als unterentwickelte und unzivilisierte Bedroher des Vaterlandes." Solche und ähnliche Erkenntnisse finden sich in einem neuem Sammelband des Osteuropa-Institut München mit dem Titel "Politik und Religion in der Sowjetunion 1917-1941", herausgegeben von Christoph Gassenschmidt und Ralph Tuchtenhagen. Er stellt die religiöse Geschichte der Sowjetunion anhand der Perspektiven der verschiedenen Glaubensgemeinschaften selbst vor: Russisch-Orthodoxe, Georgische und Armenische Kirche, Altgläubige, Lutheranern, protestantische Freikirchler, Juden, Muslime und Schamanisten. Eine informativer Abriss des Buches ist auf der Homepage des Osteuropa Instuituts zu finden. von
Lucas Corso um 21:49
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