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England: Römischer Transvestit kastrierte sich selbst CATTERICK (spiegel): Die Überreste eines Transvestiten aus spätrömischer Zeit haben Archäologen erstmals Einblicke in einen bislang unbekannten Teil der britischen Geschichte verschafft. Das Skelett des mit Frauenschmuck begrabenen Mannes war vor fast 20 Jahren in Nordengland entdeckt worden. Nun glauben die Forscher, eine Erklärung für die Grabbeigaben des jungen Römers gefunden zu haben: "In seinem Leben hätte er als Transvestit gegolten und war vermutlich ein Gallus - ein Anhänger der Göttin Kybele, die sich ihr zu Ehren selbst kastrierten", erklärte der Archäologe Pete Wilson von der Denkmalschutzbehörde English Heritage. Auf das Skelett, das eine schwarze Halskette und Armband, einen Armreif aus Schiefer und eine Fußkette aus Bronze trug, waren Forscher 1981 bei Ausgrabungen nahe Catterick gestoßen. "Es ist der einzige Mann, der mit einem solchen Schmuckaufgebot jemals in einem spätrömischen Friedhof in Großbritannien gefunden wurde", so Wilson. Der Fund zeige auch, wie kosmopolitisch der Norden Englands zu dieser Zeit war. Die ursprünglich phrygische Muttergottheit Kybele wurde von den Römern übernommen und als Göttin der Fruchtbarkeit verehrt. Zukünftige Priester der "Magna Mater" kastrierten sich ihr zu Ehren mit besonders verzierten Klemmen. Nach der Kastration trugen sie Schmuck, bunte Frauengewänder sowie Diademe oder Turban-ähnliche Kopfbedeckungen, um ihre weiblichen Frisuren zu ergänzen. (Quelle/Text: DER SPIEGEL)
Schlappe für die dänischen Asatru - Forn Sidr scheitert mit dem Antrag auf Anerkennung als Religion. Die größte Dänische Asatru-Organisation, Forn Sidr ("Sitte der Ahnen") ist mit ihrem Antrag, als Religion staatlich anerkannt zu werden, nach drei Jahren gescheitert. Dabei stößt die Entscheidung des Kirchenministeriums allerdings nicht wirklich auf Verständnis in den Medien.
The Copenhagen Post Pagans welcome to worship, but not officially By Rebecca K. Engmann 3. maj 2002Print Article (IE & NS 4 ) Adherents to Asa-troen, known worldwide as ásatrú, received bad news from the nation's Ministry of the Church. The ministry has refused to recognise the organised worship of old Nordic mythology as an official religious denomination in this country. Hundreds of born-again pagans in this country were holding out for a miracle. Supporters of the nation's oldest folk religion had hoped that the Ministry of Ecclesiastical Affairs would finally liberate the icons of old Norse mythology-- Odin, Thor, Loki, Freja-from the fringes and recognise Asa-troen [popularly ásatrú, meaning 'faith in the Æsir (gods)'] as a formal religious denomination. Last week, ásatrú adherents received the discouraging news that, after more than three long years of debate, a four-person committee representing the Ministry of Ecclesiastical Affairs opted not to acknowledge their denominational legitimacy. The news was a blow for ásatrú followers hoping that the government might finally follow suit with religious authorities in fellow Scandinavian nations. After all, the worship of the Norse idols is literally the country's oldest form of organised religion. Ásatrú has been formally recognised as a religious denomination by the governments of Norway and Iceland for several years. [...]
Zahl nichtreligiöser US-Amerikaner verdoppelt Aus der Netzzeitung: In den 90er Jahren ist der Anteil der US-Bürger ohne religiöses Bekenntnis von sieben auf 14 Prozent gestiegen. Wissenschaftler machen dafür vor allem die 'Politisierung' der Religion verantwortlich. Zwei Jahrzehnte lang hat sich die Anzahl religiöser Amerikaner nicht geändert, in den 90er Jahren dann ist die Zahl stark zurückgegangen. Genauer gesagt, hat sich die nachfolgende Generation offenbar von Religionssystemen entfernt, so berichtet eine Studie der University of California in Berkeley die jetzt im «American Sociological Review» veröffentlicht wurde. Genaueres Nachfragen ergab, daß vor allem liberale und weltanschaulich moderate Menschen Probleme mit der zunehmenden Politisierung von Religion ihre Probleme haben. Eine religiöse Identität fordere zunehmend nach einer konservativen und antiemanzipatorischen Weltsicht, das man nicht übernehmen will. Daß die Ablehnung der organisierten Religion und nicht der Spiritualität gilt hat die Studie aber ebenfalls belegen können, denn die meisten Bürger, die sich als nicht religiös äußerten bestätigten, daß sie z.B. an Gott oder ein Leben nach dem Tode glauben. Es ist annehmbar, daß eine ähnliche Studie in Deutschland ein ähnliches Ergebnis zeigen würde, jedoch womöglich mit weitaus höheren Zahlen zu Ungunsten der christlichen Religionen.
Amok: Zum Bündnis gegen Gewalt Der bislang beste Beitrag zum Thema ist, wie so oft, wieder mal bei Telepolis zu finden. Wer nur einen einzigen Beitrag lesen möchte sollte diesen lesen. (...)Jörg Schönbohm, CDU-Innenminister von Brandenburg, will nun öffentlich über die Folgen antiautoritärer Erziehung nachdenken. Schönbohm weiß mehr als wir. Jenseits der paar Kinderläden der 70er Jahre, in denen zumeist nur gewaltfrei Farbe verschmiert wurde, dürften die fatalen Folgen antiautoritärer Erziehung eine pure Fiktion des Ministers sein. Gegenüber der "repressionsfreien Erziehung", vor der dem Politiker graut, soll nun Leistung wieder mehr betont werden. Das sehen die Liberalen ähnlich, wenn sie die Gesellschaft auf Eliten hin definieren, die zu ihrer fröhlichen Selbstverwirklichung komplementär eben auch gesellschaftliche Verlierer benötigen(...)
Amok - eine Vorbilanz Das Wort "Amok" beschreibt zunächst eine Affekttat, begleitet mit übermäßigem Auftreten von Gewalt. Der Erfurter Schüler hat seine Tat allerdings lange geplant, kann also kein "Amokläufer" sein. Was "Amok" jedoch bedeuten kann, zeigt die hysterische Reaktion von Medien und Politik: die laufen jetzt zur Amok-Hochform auf.
Die Rezeption des Erfurter Scheibenschießens in der Öffentlichkeit und in den Medien und vor allem in der Politik zeugt somit, wie nicht anders zu erwarten, von einer großflächigen Inkompetenz der Rezipienten in Sachen sozialer Erkenntnisfähigkeit. Vor allem in Bezug auf die Frage "Was ist Gewalt, wie wird sie ausgelöst und wer übt sie aus?" zeigt sich bemerkenswerte Sinnleere und Begriffsstutzigkeit.
Was ist denn Gewalt? Ist nicht der unmäßige Druck in unseren Schulen schon massive Gewaltanwendung? Sind Verbote nicht schon Gewalt? Woher hat westmensch denn die offensichtlich durchgängige Alternativlosigkeit gegenüber Gewalt gelernt? Wie sehen die Reaktionen auf die Erfurter Gewalt aus? Gewalt durch Verbote, Bevormundung und Kriminalisierung. Und wieder genau diese Handlungsalternative wird gezeigt, die Erfurt erst ausgelöst hat. Wo sind die Stimmen, die das neue Erlernen von Reaktionen auf Gewalt ohne weiteres Drehen der Gewaltspirale zu fördern fordern? Warum werden Trainings- und Präventionsprogramme, Jugendschutzstellen etc. immer noch gekürzt, kurz gehalten oder gar nicht erst bewilligt? Von den Politikern vor allem, die jetzt am lautesten brüllen - und natürlich wieder nur Restriktionen fordern?
Ein paar kritische Stimmen gibt es allerdings doch. Vor allem das Netzmagazin Telepolis fällt hier positiv auf, mit Artikeln und Aussagen wie den folgenden:
Interview mit Jürgen Fritz Selbst aus noch so blutigen Ballerspielen auf dem Bildschirm lässt sich nicht eine Gewöhnung an blindwütiges Morden in der Schule herleiten, sagt der Professor Jürgen Fritz, der seit bald zehn Jahren über seinen Lehrstuhl im Fachbereich Sozialpädagogik an der Fachhochschule Köln im Verbund mit dem Jugendamt der Stadt sowie 19 Kitas und Jugendeinrichtungen die Wirkung von Computerspielen analysiert und als einer der profiliertesten Experten auf diesem Gebiet zählt. Politikern wie dem CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber oder seinen Vasallen empfiehlt der Forscher im Gespräch mit Telepolis, Aufklärung über die virtuellen Spielewelten im Elternkreis und bei Erziehern zu fördern, statt mit der Keule gegen "Gewalt" in Games und in den Medien allgemein zu wettern.
Deutsche Verhältnisse Gelernt haben wir also nur zum wiederholten Mal, dass im Herzen der Zivilisation die Gewalt sitzt[...]. Vermutlich ist die eigentliche politische Frage immer nur, in welche Richtung sich das gesellschaftliche Gewaltpotenzial ausdehnen darf. Vor Querschlägern der vorliegenden Art sind wir dadurch nicht gefeit, zum wenigsten, wenn pastörliche Betroffenheitsreden die Paradoxien entsolidarisierter Gesellschaften kaschieren wollen.
Aber auch auf Spiegel-online gibts ein bischen Kritik - wenn auch meist gut versteckt - aber zu finden ist dort dennoch folgendes: Wir müssen uns klar machen, dass es sich auch bei einem öffentlich tolerierten Schulverweis um eine aggressive Handlung handelt. Wenn sie nicht begleitet und aufgearbeitet wird, kann sie zu unvorhersehbaren Handlungen führen
Dann gibts da noch eine Menge Privatmeinungen, die Hoffnung machen, dass das, was Medien und Politik von sich geben zwar Massenmeinung, letztere aber unter halbwegs intelligenten Menschen nicht weit verbreitet ist. Eine kleine Auswahl:
Solange aber im Brustton der Überzeugung von Seiten sogenannter "Experten" Unfug wie folgender die Runde macht Uwe Wetter vom Berufsverband Deutscher Psychologen erklärte, Gewaltdarstellung in Fernseh- und Videoprogrammen sowie auf dem Computer konditioniere potentielle Täter. Das Training durch Videospiele schaffe zusätzliche Schießkompetenz, so der Psychologe Bernd Jötten. Polizeipsychologe Adolf Gallwitz vertritt die Ansicht, die Beschäftigung mit Gewalt und Rache werde gefördert durch Computerspiele oder Filme (Stoiber will Gewalt in Computerspielen verbieten) und parallel dazu von gleicher Seite MDBs wie Georg Girisch (CSU) auf dessen Website Dinge wie "Von den legalen Waffenbesitzern, Sportschützen, Jägern und Waffensammlern geht keine Gefahr für die innere Sicherheit unseres Landes aus", angesichts der Tatsache, dass fast alle "Amokläufer" der letzten Jahre legal den Umgang mit Waffen gelernt und auch mit legal erworbenen Waffen rumgeballert haben fast schon ein Hohn, von sich geben, kann man nicht sehr optimistisch in die gesellschaftliche Zukunft blicken.
Die Unfähigkeit einer realistischen Einordnung von Realitäten und Medienwirkungen fasst wiederum Telepolis im Artikel Zeitbombe Schützenverein schön zusammen und verweist damit Freund Girisch ins Land der halbsenilen Altherrenträume: Als 11. September 2001 mit Flugzeugen gemordet wurde, spekulierte man am 12. September, dass die Terroristen am PC trainiert haben könnten In Wirklichkeit waren sie in Pilotenschulen. Wann immer ein Jugendlicher durchdreht, wird als erstes von Computerspielen und Videofilmen gesprochen. Doch das Schießen haben alle jugendlichen Amokläufer woanders gelernt.
Aber vielleicht sollte man nicht zu pessimistisch sein und darauf setzen, dass irgendwo in den Entscheidungsinstanzen doch noch jemand sitzt, der nicht nur die BILD liest.