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wDienstag, Oktober 29, 2002

Der anti-amerikanische Reflex ist wieder en vogue in Deutschland

"Die Amerikaner haben die Indianer ausgerottet, Dresden bombardiert, Hiroshima verbrannt und das Klima-Abkommen von Kyoto nicht unterzeichnet - Grund genug, sie zu verachten. Ein Essay über den keimenden Anti-Amerikanismus und die moralische Überheblichkeit in Deutschland."
Mit diesen Worten beginnt der neue SPIEGEL-Artikel von Henryk M. Broder. Bissig und zutreffend wie immer beschreibt er mal wieder die von Linken, Rechten, Hippys, Betroffenheitsaposteln und Intellektuellen gepflegten Ressentiments gegenüber der vermeintlichen Coca-Cola-Kultur jenseits des Atlantiks. Passagen wie die folgende entlocken all jenen Menschen, denen kulturelle Stereotypen zum Hals raus hängen, ein zustimmendes: "Jawoll, endlich sagt es mal jemand!":

"Es darf doch nicht sein, dass die primitiven Amerikaner, diese Cowboys und Bush-Krieger uns praktisch in allem überlegen sind, wo wir die Kultur und die Klappstulle erfunden haben und sogar in Augsburg, Mainz und Oldenburg teure Drei-Sparten-Theater unterhalten. Erschwerend kommt dazu, dass es die Amis waren, die uns im letzten Jahrhundert zweimal geschlagen und vor uns selbst gerettet haben. Keine andere Gesellschaft, so hat es der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht, ein Deutscher mit US-Pass, in der "FAZ" geschrieben, würde "ähnlich stolz und ähnlich konsequent ihren eigenen Antiamerikanismus als Ausdruck nationaler Souveränität" missverstehen."
Und wie immer, so geht auch diesmal Broder allzu undifferenziert mit dem Themenfeld Naher Osten/USA um - aber das kennt man erstens von ihm und zweitens beeinträchtigt das nicht seinen scharfen Blick auf die deutsche Attitüde.

von Lucas Corso um 22:35  


wMittwoch, Oktober 16, 2002

Exorzisten und Psychiater
Ein ernstgemeinter Buchtip des katholischen Nachrichtendienstes kath.net:
(...) Pater Gabriele Amorth, der berühmte Exorzist von Rom, schlägt in diesem dritten Werk erneut wegen des schweren Standes und der erschwerten Arbeit der Exorzisten Alarm. Er schildert, wie Okkultismus, Magie, Spiritismus und Satanskult überhand nehmen und die Menschen der Kirche entfremden. Er weist nach, dass die Neufassung des Rituale Romanum gegen den Exorzismus zu einem untauglichen Instrument geworden ist, weil die Experten nicht zu Rate gezogen wurden. Dank des klugen Schachzug eines Kardinals ist es Exorzisten heute freigestellt, auch weiterhin das Jahrhunderte lang bewährte Rituale zu verwenden.(...)

von Jens Scholz um 12:51  


wDienstag, Oktober 15, 2002

Norbert Blüms Begeisterung für Hexen-Splatter

oder:
So gruselig wird`s, wenn Politiker allen ernstes versuchen, Kinderbücher zu schreiben:

"Hoch im Norden sprudelten seit tausenden von Jahren auf der Felsinsel Thinghelland die Geysire. Und einmal im Jahr, pünktlich um Mitternacht des dreizehnten Monats, brach der größte Geysir aus - eine Urkraft schleuderte eine schwarze, übel riechende Fontäne aus der Unter- in die Oberwelt: das flüssige Gift des Bösen. Und wie jedes Jahr wurden sie alle davon angezogen, die am Schlechten Gefallen fanden und dem Schlechten verfallen waren: Im Morgengrauen des dreizehnten Tages des dreizehnten Monats wirbelte ein Sturm die heimtückischen Trolle durch die Luft herbei. Es kamen die Erinnyen aus dem alten Griechenland, immer auf der Suche nach Rache. Wenn es kein Verbrechen zu rächen gab, stifteten sie Unheil. Teufel aus der Hölle schwammen im Lavastrom ans Licht, süchtig nach bösen Taten und Elend. Für sie gab es nichts Schöneres, als sich mit höllischem Gelächter im Jammer und Leid der Menschen zu suhlen. Die Hexen vom Blocksberg flogen auf düsengetriebenen Besenstielen den Geysirtanz des Schreckens. Und das ganze Hexengemenge explodierte mit einem furchtbaren Knall und zerplatzte in einzelne Körperteile: Arme, Beine, Füße, Rumpfteile; Hände, Finger, Augen, Ohren, Nasen fielen wie Hagelschauer auf den glitschigen, gelblichen Inselboden. Die Hexenmünder, die überall herumpurzelten, schrien wie irre und erfüllten die Luft mit ohrenbetäubendem Lärm.

Aus den Hexenarmen wurden giftige Schlangen, aus den Hexenbeinen giftige Leguane, aus den Hexenohren giftige Skorpione, aus den Hexenaugen giftige Quallen, aus den Hexenfingern giftige Lurche und aus den Hexennasen giftige Krebse. Und im Morgengrauen des dreizehnten Tages warf das lila schimmernde Meer eine schreckliche Armee an das Ufer: Hyänen, die anstelle ihrer Läufe Räder besaßen, Skorpione, die ihre Scheren mit Panzerfäusten bestückt hatten, Krokodile, deren Schwänze keine Schwänze mehr waren, sondern Raketen als Abschussbasis dienten, riesige, giftige, grüne Todesspinnen, die auf Teleskopbeinen Jagd auf alles machten, was sich bewegte. Sie waren alle aus einem einzigen Grund zusammengekommen: Sie wollten um Mitternacht aus dem großen Geysir trinken, um sich wieder mit der bösen Energie aufzuladen. Im letzten Jahr hatten sie auf der Welt so viel Böses getan, dass ihre Kraft beinahe verbraucht war …"

Zitat aus dem Kinderbuch des CDU-Politikers Norbert Blüm "Glücksmargerite",
gefunden bei der "tageszeitung"

von Lucas Corso um 12:48  


wSamstag, Oktober 12, 2002

Aus der FAZ, Samstag, 5. Oktober 2002:
Angstbild
Wie ein Flüchtlingsmädchen' zur Hexenfratze wird
Die harte, angeblich sowohl voraussetzunglose wie ideologiebereinigte Doku-Ästhetik der globalen Kriegs- und Elendsphotographie kann es inzwischen mit den synthetischen Schreckensbildern der Künste allemal aufnehmen, und zwar gerade auch formal, nicht nur "inhaltlich". Die Galerie, bei der Kunstinteressierte das derzeit lernen können, heißt Bahnhofsbuchhandlung. Denn gleichzeitig kann man durch deren Auslagefenster in diesen Tagen eine Jahres-Sondernummer des "National Geographic" liegen sehen, deren Umschlag noch einmal das Foto eines afghanischen Flüchtlingsmädchens abbildet, das Steve McCurry 1985 fotographiert hat, und gleich daneben dessen krude Aneignung durch den Covermaler einer populären Horror-Taschenbuchserie.
Das Original
(National Geographic)
und was daraus wurde
(Bastei Lübbe)

Die Geschichte des McCurry-Fotos samt Wiederentdeckung der Abgebildeten im Zuge des jüngsten Afghanistan-Mediendesasters hat viel Aufsehen erregt. Die Verwandlung dieses Gesichts aus einer Welt, vor deren gewaltsamer Verklammerung mit unserer wir uns aus guten Gründen fürchten, in die primitiv verfremdete Maske einer „Madame Mystique“, expressionistisch fratzenhaft wie Conrad Veidt im „Kabinett des Dr. Caligari“ von 1919, ist ein ernsthafter Hinweis darauf, was das Abbilden unbegriffener Weltgreuel im Bildunbewussten der Medien stiftet: Nicht Aufklärung, sondern Mythos; nicht Geschichte, sondern Grusel. (dda)

von Jens Scholz um 22:27  


wMittwoch, Oktober 09, 2002

Telepolis meldet: Orgien im Kinderzimmer - Harry Potter Spielzeugbesen Teufelswerk
[...]die ersten paar Tage nach Weihnachten fanden's kleine Jungs ganz lustig, auf dem Spielzeugbesen durchs Zimmer zu rauschen, schließlich hat das Modell von Matell ein paar nette Soundeffekte zu bieten. Allein, das Interesse ließ bald nach und das gute Stück wanderte in die Besenkammer.
Dort wurde es im Frühjahr von den pubertierenden Schwestern der kleinen Jungs entdeckt, und auf einmal war der Besen die Nummer eins auf den Geburtstagswunschlisten heranwachsender Mädchen. Was folgte, muss man sich als eine Serie wilder Orgien im Kinderzimmer vorstellen: Jedenfalls berichteten Mütter aus allen US-Bundesstaaten, dass sich ihre Töchter und deren Freundinnen stundenlang auf dem Zimmer einschlossen - nur um mit dem magischen Besenstiel zu spielen. Und dass sie erst dann wieder rauskamen, wenn die Batterien alle waren.[...] zum Artikel...
(gefunden bei Doc Rollinger)

von Sven Scholz um 15:45  


wDienstag, Oktober 08, 2002

Noch mehr astrologische Verirrung?

Neu entdeckter, kleiner Mond für die Erde?
Weiteres auf der Homepage von HAGIA CHORA

von Lucas Corso um 23:12  


w

Indianer im Olymp?
Anzeichen für die Fusion von Astrologie und Schamanismus?

SPIEGEL-Online berichtet: Astronomen vom California Institute of Technology haben im Kuiper-Gürtel jenseits der Neptun-Bahn einen besonders großen Asteroiden lokalisiert, der einmal mehr den Planetenstatus von Pluto in Frage stellt. Der neu entdeckte Himmelskörper wurde ungewöhnlicherweise nicht mit eine Namen der griechischen Mythologie belegt, sondern nach einer „Gottheit“ des lokalen Indianerstammes der Tongva (San Gabrielino Volk) mit den Namen "Quaoar" getauft. Für Brown und Trujillo stellt sich jedoch weniger die Frage, ob Quaoar ein Planet ist. Vielmehr sei der Fund ein weiteres Indiz dafür, dass es sich bei Pluto nur um ein besonders großes Kuiper-Gürtel-Objekt handelt. Wenn dieser heute entdeckt werden würde, so Brown, "käme niemand auch nur auf den Gedanken, ihn als Planeten zu bezeichnen."
Die Homepage der Tongva berichtet über „Quaoar“:
'Quaoar' the great force of creation sings and dances the high ones (Deities) into existence. While Quaoar has no form or gender he is usually referred to with the male pronoun. He dances and sings first 'Weywot' who becomes Sky Father; they sing and dance 'Chehooit' Earth Mother into existence. The trio sing 'Tamit' Grandfather Sun to life. As each divine one joins the singing and dancing, the song becomes more complex and the dance more complicated. In turn 'Moar', Grandmother Moon (a very complex diety), 'Pamit' the Goddess of the sea, 'Manit', the Lord of dreams and visions, 'Manisar' the bringer of food and harvests, 'Tukupar Itar' Sky Coyote (who is also our major hero), 'Tolmalok', the Goddess of Shishongna (the underworld) join in the singing, dancing and creating. And finally the great seven giants who hold up the worlds are created. The High Ones in turn are aided by 'Eagle, Duck, Bear, and Frog' in a grand earth diving story. Frog brings up soil out of the deep dark sea, and the four animals dance it flat and wide. The 'Gods and Goddesses' then furnish the world 'Tovangar' with hills, mountains, trees, rivers, etc. 'Tobohar' (first man) and 'Pahavit' (first woman) are also part of this great 'Creation song and dance cycle'."
Man darf gespannt sein, wie die olympischen Götter mit ihrem indianischen Freund im Horoskop interagieren werden.

von Lucas Corso um 23:08  


w

Legendärer Bauernhof in Island entdeckt
Ein in Island neu entdecktes Bauernhaus aus dem Jahre 11. Jahrhundert könnte Snorri Thorfinnson gehören, der mutmasslich erste Wikinger, der ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent geboren wurde, bevor seine Eltern wieder von Kanada nach Island umsiedelten. Weiteres siehe bei BILD DER WISSENSCHAFT (bdw).

von Lucas Corso um 11:47  


wFreitag, Oktober 04, 2002

Wunderbare Heiligenvermehrung
Die Frankfurter Rundschau schreibt bissig über die Inflation der Heiligsprechung unter Papst Johannes Paul II:
"Was die wunderbare Brotvermehrung in der Bibel war, das ist die wunderbare Heiligenvermehrung unter dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II. Schon in seiner bisherigen Amtszeit hat er nahezu doppelt so viele Kandidaten zur Ehre der Altäre befördert wie alle seine Vorgänger in den letzten vier Jahrhunderten zusammen. Aber es ist nicht nur eitel Freude, die darob im Himmelreich und auf Erden herrscht. Schon als der Papst im letzten Jahr neben dem Reformpapst Johannes XXIII. den Antimodernisten Pius IX, den Verkünder des Unfehlbarkeitsdogmas, selig sprach, meldeten sich zahlreiche "Advocati Diaboli", "Anwälte des Teufels", wie die Bedenkenträger des Heilig- und Seligsprechungsprozesses im theologischen Volksmund heißen, auch in der Öffentlichkeit zu Wort. Und jetzt haben die Teufelsadvokaten Hochkonjunktur.

Denn der Begründer des "Opus Dei", des "Werkes Gottes", der spanische Priester Josemaria Escrivá de Balaguer y Albás soll, so Gott will, an diesem Sonntag auf dem Petersplatz heiliggesprochen werden. 1928, nur drei Jahre nach seiner Priesterweihe, hat der seinerzeit sechsundzwanzigjährige nach einer "göttlichen Eingebung" das "Opus Dei" gegründet. 1996 gehörten dem "Werk Gottes" nach Auskunft der Brockhaus-Enzyklopädie rund 1980 Priester und 78 500 Laien aus 89 Ländern an. In Deutschland sind es seitdem etwas weniger Mitglieder geworden. Und das hängt damit zusammen, dass sowohl der Gründer wie sein Werk wiederholt ins Gerede gekommen sind. Nichts Genaues weiß man nicht. Die werkeigene strikte Geheimhaltungspolitik hat dafür gesorgt.

Für die Kritiker, sofern sie ehemalige Mitglieder waren oder aus anderen Quellen Informationen hatten, ist das "Opus Dei" eine fundamentalistische katholische Sekte, mit halb- oder ganzkriminellen Verbindungen zu diversen Logen und Banken, eher etwas für den Kadi und die Sektenbeauftragten als für Heiligsprechungsprozesse, strikt hierarchisch strukturiert, von bedingungslosem Gehorsam beseelt und dem Geiste kirchlicher Restauration verpflichtet.

Aber heiliggesprochen werden ja nicht Organisationen, sondern Personen. Und wer dürfte bezweifeln, dass die Gottes- und die Teufelsanwälte im Heiligsprechungsprozess den Mann des Gotteswerkes auf Herz und Nieren geprüft haben! Hochmut, Stolz, herrisches Wesen werden dem Träger seines so pompös klingenden Namens nachgesagt, dem Personenkult hätte er gefrönt? Aber er war voller Demut, ein vorbehaltlos ergebener Diener Gottes und seines Stellvertreters hienieden! Mit Francos Spanien hätte sein Gotteswerk gemeinsame Sache gemacht? Aber der Geist weht, wo er will! Die Anfechtungen des Fleisches wären ihm nicht fremd gewesen? Aber wie sind sie gegeißelt worden, in heiligmäßigem SM-Kult! Frauen wären auch hier nur die Versuchung gewesen? Aber wie streng hat er sie von den Männern isoliert und ins zweite Glied verwiesen! Persönliche Gebrauchsgegenstände hätte er halbbenutzt einfach weggeworfen? Aber wie soll denn sonst ein Heiliger für die nötigen Reliquien sorgen! Das für die Heiligsprechung nötige Wunder wäre ein wenig zu schnell festgestellt, schon der Seligsprechungsprozess mit atemberaubendem Tempo forciert worden? Aber eben das ist ja das größte, das eigentliche Wunder. Denn auch wunderbare Heilungs- wie Heiligsprechungsprozesse brauchen heute immer weniger Zeit!
Kurzum: Heiliger Josemaria Escrivá de Balaguer y Albás, bitte für uns!"
(Quelle/Text: Frankfurter Rundschau/Ludger Lütkehaus)

von Lucas Corso um 11:50  


wDienstag, Oktober 01, 2002

Nebelpfade Friedhofshaus verwirrt ArchäologInnen
Im Norden Schottlands liegt die Orkney-Inselgruppe, die viele höchstinteressante prähistorische Fundstätten zu bieten hat. Unter anderem auch auf der Insel Westray, auf der ForscherInnen derzeit versuchen, mehr über das besterhaltenste Haus Schottlands aus der Eisenzeit herauszufinden. Das 2000 Jahre alte Haus sorgt für Verwirrung bei den WissenschaftlerInnen, da sie bei ersten Grabungen rund um das Haus Skelette von sechs bis sieben verschiedenen Menschen gefunden haben. Es werden bis zu 100 Skelette bei weiteren Grabungen erwartet. Aufgrund der Skelette und der Tatsache, dass das Haus an einem eher ungeschützen Standort steht, gibt es nun Überlegungen, nach denen das Haus keine Wohn- sondern eine Kultstätte darstellt.[...]

von Sven Scholz um 08:45