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wMontag, Dezember 23

Fluch des Pharao

MELBOURNE: (bdw) Die Online-Ausgabe von "Bild der Wissenschaft - Damals" meldet:
"Für den berühmten „Fluch des Pharao" gibt es keine wissenschaftlichen Beweise. Das schreibt Mark Nelson von der Monash-Universität in Melbourne (Australien) im renommierten Medizinfachblatt British Medical Journal (Bd. 325, S. 1482).

Nelson machte die Geburts- und Sterbedaten 25 westlicher Ausgräber aus, die vor 80 Jahren bei der Öffnung des Grabes von Tutanchamun anwesend waren. Zudem ermittelte er die elf weiterer Personen aus dem Westen, die zur gleichen Zeit in Ägypten waren, aber der Graböffnung nicht beigewohnt hatten.

Beim Vergleich der Lebenserwartungen der Ägyptenreisenden fand er keine bedeutsamen Unterschiede: Die 25 Personen, die dem "Fluch" ausgesetzt waren, wurden durchschnittlich 70 Jahre alt. Die anderen erreichten im Schnitt ein Alter von 75 Jahren.

1923 hatte der Tod von George Herbert große Wogen in der Weltpresse geschlagen. Der Geldgeber der Tutanchamun-Expedition war bei der Öffnung des Grabes dabei gewesen und später an den Folgen eines Moskitostichs gestorben. Bis 1934 waren sechs der bei der Graböffnung Anwesenden gestorben, weshalb sich Spekulationen häuften, dass sie einer rätselhaften Krankheit zum Opfer gefallen waren."
(Quelle/Text:Bild der Wissenschaft)

von Lucas Corso um 16:56  


wMittwoch, Dezember 18

Urteil in Neubrandenburgs "Satanistenprozess"

Zwei Jugendliche aus Neubrandenburg sind wegen Mordversuchs zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Beide seien Anhänger eines satanistischen Kultes, berichtet die Presse. Freilich ohne genauere Angaben, ob es sich dabei tatsächlich um einen "Kult" handelt, der dann eigentlich auch einen Namen haben müsste.
Der Angeklagte hatte im Juni einen Mann mit mehreren Messerstichen verletzt. Das Opfer konnte fliehen. Das Gericht sah es jedoch als erwiesen an, dass der 21-Jährige versucht hatte, den Mann zu töten.
Seine 19-jährige Mittäterin wurde zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt. Der Mann musste sich zusätzlich wegen eines früheren Ritualmordes an zwei Ziegen sowie Störung der Totenruhe verantworten. Seine Freundin bezeichnet sich selbst als Hexe.
Die junge Frau habe den Wunsch geäußert, das Blut eines Menschen trinken zu wollen, sagte die Vorsitzende Richter Carl-Christian Deutsch. Der Mann habe daraufhin beschlossen, einen Menschen zu töten. Allerdings habe er diesen Vorsatz auch schon gehabt, bevor er seine Freundin kennen lernte.
Die Staatsanwaltschaft hatte für den 21-jährigen neuneinhalb Jahre Haft und für die 19-Jährige siebeneinhalb Jahre Haft nach dem Jugendstrafrecht beantragt. Die Verteidiger kündigten ein Revisionsverfahren an. (Quelle: nz)

von Jens Scholz um 11:41  


wDienstag, Dezember 17

Schlagzeile der BILD von heute (17.12.2002):
"Der Menschenfresser & seine Hexe. Hat sie das Böse in ihm geweckt?"

Auf dem Titelblatt dann Bilder von ihm ("Menschenfresser Armin M.") und ihr ("Mit Totenschädel und Messer: Hexe Ulla von Bernus").
Text: "Eine unheimliche Frau wohnte im Nachbarhaus des Menschenfressers. Sie hexte, predigte von Tod und Teufel. Sie war Deutschlands berüchtigtste Satanistin. Wie Armin M. (41) in ihre Fänge geriet, wie das Böse in ihm geweckt wurde - Seite 7."
Dort heißt es dann u.a. von Psychanalytiker Dr. Frank Roland Deister (53): "Gerade Jugendliche mit schwacher Persönlichkeit suchen nach Orientierung. Da kann das Okkulte großen Einfluss haben." (via HM)
Weitere Berichte darüber beim Spiegel und in der Netzeitung

von Jens Scholz um 18:43  


wMittwoch, Dezember 11

Guardian Unlimited über Goths in Deutschland:
Flirting with Hitler

Gothic is a way of dressing, a taste in music, a style. But in Germany - at the extreme fringes - it has also become the point at which neo-Nazism and Satanism meet

Wenn man sich erstmal durch die seltsame Berichterstattung über ein paar am Satanistenprozess von Anfang 2002 beteiligten Personen gelesen hat, wirft der Artikel tatsächlich ein paar interessante Fragen auf. So stellt er fest, dass sich die Neo-Nazi Gruppen und okkultistische Gruppen in vielen Punkten ähneln und spiegeln. Er stellt folgende Theorie auf:

On several occasions since the fall of the Third Reich, evidence has surfaced of connections between the far right and Satanism. As in the cases of Hendrik Möbus and Daniel Ruda, however, they have been limited to individuals or, at most, small groups. But in the past five years, an entirely new phenomenon has developed: a mass youth culture in which neo-Nazi ideas and symbols have merged with the Gothic scene.
(...)Since the mid-1990s, Germany's neo-Nazis have attempted to penetrate several youth scenes, including techno, but it is with Goths that they have had their greatest success.

Dass die Durchdringung der Gothicszene mit Neonazi-Inhalten beabsichtigt ist, begründet der Autor mit einem Hinweis auf einen Artikel der rechtslastigen "Jungen Freiheit" von 1993, in dem Roland Bubik, einer der Köpfe der rechtsextremen Idologieträger, neue Möglichkeiten der Einflussnahme über die zeitgenössischen kulturellen Strömungen verkündete. Was in der Technoszene fehlschlug, habe, so der Guardian weiter, offensichtlich in der politisch wesentlich unreiferen Gothicszene um so besser funktioniert.
Ungewohnt (für Leser deutscher Presse) differenziert geht der Autor jedoch auch auf die Frage ein, inwieweit eine tatsächliche politische Überzeugung angenommen werden darf und stellt fest: Unquestionably, there is an element of sheer, apolitical mischief: it is not easy for the sons and daughters of the generation of 1968 to find a way of shocking their parents, but dressing up in vaguely neo-Nazi garb should do the trick.
In Interviews mit Goths und Sozialarbeitern in Leipzig wird ein Gefahrenpotential erkannt. Jedoch nicht eines, das von den Jugendlichen ausgeht, sondern eines das sie betrifft:

"Things are not going well for the far right," argues Wolfgang Hund, an educational scientist and the author of several books on the occult. "They are under pressure from all sides and they are looking for allies... They are looking for foot soldiers in the ranks of disoriented youth - human raw material for any Pied Piper who comes along."
(...)."The link was first noticed in the mid-1990s. At that time, it was estimated that the overlap was about 5%. Two years ago, we put it at 7-8%. Now, our estimate is 9%." Alfred Schobert, a lecturer at the Duisberg Institute of Language and Social Research, took a similar view in his 1998 academic investigation into the infiltration of the Gothic scene by the far right. "It is not about recruiting in the short term. It is about [producing] an overall reversal that picks up on and distorts the prevailing mood."
Through the Gothic scene, the far right can obtain access to the minds of hundreds of thousands of young people throughout Europe. If they can be taught to accept certain beliefs and symbols as normal, then the extreme right will have made significant progress towards achieving what Schobert argues is a key, medium-term goal: "The removal of the taboos that attach to Nazi symbols and racist-nationalist ideology".

von Jens Scholz um 12:17