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Bemerkenswertes, wissenswertes oder einfach nur überflüssiges im Netz.
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wDonnerstag, Juli 31, 2003 |
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Almosen, wenn Juden „sich einbringen“ Finanznot der Wiener Gemeinde zeigt Österreichs Vergangenheitsbewältigung
Die Neue Züricher Zeitung berichtet: "Gern schmückt sich die Alpenrepublik mit dem geistigen Bonus, den sie gerade jüdischen Intellektuellen und Künstlern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts verdankt. Doch im allgemeinen Bewusstsein droht diese auf Freud, Schnitzler, Schönberg, Wittgenstein oder Karl Kraus reduzierte Wahrnehmung des jüdischen Lebens zur bestenfalls nostalgischen Folklore zu werden. Man müsse prüfen, meinte als eine Art Vox populi der stellvertretende Chefredaktor der konservativen Tageszeitung «Die Presse», ob die Jüdische Gemeinde heute noch jene Leistung erbringe, für die sie einstmals berühmt gewesen ist. Ob also der Output der jüdischen Kunst und des bekannt scharfen Intellekts sich eine staatliche Zuwendung überhaupt noch verdiene. Neben dem Ton klandestiner Herablassung, der dem Förderungsempfänger die notwendigen Mittel gerade noch als Almosen zur Verfügung stellen will, berühren solche eifrig diskutierten Fragen auch den Kern alter Ressentiments.
Nur eine gedanklich noch längst nicht aufgehobene Trennung zwischen Österreichern und Juden kann auf die Idee kommen, den «jüdischen Beitrag» zum kulturellen Bruttoinlandprodukt eigens einzufordern. «In den zwanziger Jahren», sagt Robert Schindel im Nachrichtenmagazin «Profil», «wäre niemandem eingefallen zu sagen: ‹Bring gefälligst deine jüdische Kultur in die österreichische hinein.› Das ist doch lächerlich.»
Die Geschichte der jüdischen Kultur in Österreich ist geprägt von deutlichen Zahlen. 1938 lebten hier rund 206 000 Juden, 130 000 von ihnen gelang während der NS-Zeit die Flucht, 65 000 wurden von den Nazis ermordet. Nur 5500 Juden haben die Shoah in österreichischen Verstecken überlebt. Nach Kriegsende hat sich das Land kaum bemüht, Emigranten zurückzuholen. Und so ist von einer der grössten jüdischen Gemeinden Europas nach 1945 kaum etwas übrig geblieben. Rund 10 Prozent der Wiener Bevölkerung waren vor 1938 jüdisch. Gerade noch 6710 Mitglieder zählt die Wiener Kultusgemeinde heute. Diese Zahl ist seit den achtziger Jahren annähernd unverändert, doch sie dürfte wegen Überalterung in nächster Zeit beträchtlich sinken. Zuzug gibt es kaum, auch darin liegt ein Dilemma des einstmals blühenden Wiener Judentums.
(...)Die Politik wollte bisher die IKG gerne als Antragsteller im Sinne der Entschädigungsfonds sehen, kaum aber als Zentrum eines kulturellen Lebens, das Subventionen braucht wie andere Einrichtungen auch. Während in Österreich so die Wahrnehmung jüdischer Kultur wieder auf die Zeiten des Holocaust reduziert wird, hat man in Deutschland in diesen Fragen zu anderen Lösungen gefunden. Die Bundesrepublik hat 100 000 Juden ins Land geholt und den jüdischen Gemeinden kräftig unter die Arme gegriffen, um einen Wiederaufbau zu ermöglichen. 84 Gemeinden sind so aus den Trümmern neu erstanden. (...)
Das Verhältnis zur österreichischen Politik ist allerdings seit Jahrzehnten gespannt. Bundeskanzler Schüssel gab sich in den jetzigen Debatten bisher schweigsam. Jörg Haiders Freiheitliche Partei allerdings hat aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht und mit volksnahen Ressentiments einen bewährten, weil sehr österreichischen Standpunkt vertreten. «Das darf doch nicht wahr sein!», rief der Abgeordnete Uwe Scheuch bei einer Debatte zur Lage der Jüdischen Gemeinde ins Plenum des Parlaments. «Unterstützen wir lieber unsere Bergbauern!» von
Lucas Corso um 16:05
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wDienstag, Juli 29, 2003 |
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Die USA quaelt die Sorge um den Antiamerikanismus
In der amerikanischen Ostküste vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendeine Konferenz stattfindet, die Motiv und Wesen des Antiamerikanismus untersucht. Der Journalist Andrian Kreye berichtet in der Süddeutschen Zeitung darüber:
"Letzte Woche begann eine Veranstaltungsserie des Public-Relation-Büros Benador Associates mit dem schlichten Titel „Antiamerikanismus“. Den Auftakt machte Herbert London, Professor of Humanities an der New York University. London forderte, dass man zunächst die Formen des Antiamerikanismus im eigenen Lande betrachten sollte – die unverbesserlichen Ideologen der Linken, den latenten Selbsthass der Liberalen und politisch Korrekten. Erst dann sollte man untersuchen, warum europäische Nationen und internationale Antiglobalisierungs-Bewegungen aus dem Gefühl der Unterlegenheit einen solchen Hass auf Amerika entwickeln. (...) Hat sich Amerika nicht die Hauptlast im Kampf gegen den weltweiten Terror aufgebürdet? Um Stabilität im Nahen Osten bemüht? Dem Westen im Irak zu einer neuen Autorität verholfen? Auf einer Konferenz amerikanischer und deutscher Medienvertreter, die eigentlich die Rolle der Medien im transatlantischen Dialog besprechen wollten und dann doch nur die gegenseitigen Feindseligkeiten diskutierten, gab der Chef von CNN International, Chris Cramer, zu bedenken: „Dieses Land fühlt sich immer noch im Krieg“ – seit dem 11. September. Und weil man sich im Kriegszustand befindet, wird der Unterschied zwischen Kritik und Angriff gern verwischt, etwa wenn der Wirtschaftswissenschaftler und Deutschlandexperte Eli Noam von der Columbia University in einem Satz die Brücke von der deutschen Romantik über Freud und Heidegger zu den Anschlägen des 11. September schlägt.
Natürlich unterschlägt er dabei vor allem, dass sich die europäischen und arabischen Formen des Antiamerikanismus grundsätzlich unterscheiden. Während Europa Amerika als Stellvertreter für einen menschenfeindlichen Globalkapitalismus verteufelt, auch wenn es ihn längst selbst praktiziert, gelten die USA im arabischen Raum als Symbol für die frevelhafte Säkularisierung der Welt.
In der aktuellen Titelgeschichte des Politikjournals The Public Interest beschäftigt sich der Politologe James W. Ceasar mit der Genealogie des europäischen Antiamerikanismus. Dieser sei ein Werk nicht des Stammtisches, sondern des anspruchsvollen Denkens in Europa und führe deshalb zu einer gefährlichen Ideologisierung des europäischen politischen Reflexion, weshalb er dem französischen Soziologen Jean Francois Revel beipflichte: „Ohne den Antiamerikanismus bleibt vom politischen Denken in Frankreich nicht mehr viel übrig. Weder auf der Linken noch der Rechten.“ Das gelte genauso für Deutschland oder jede andere westeuropäische Nation.
Ceasar geht noch einen Schritt weiter und stellt die Frage, ob die Kluft zwischen Amerika und Europa nicht der wahre Kampf der Zivilisationen sei. Anzeichen dafür scheint es genug zu geben. Michael Moores „Stupid White Men“ hielt auf der Verkaufsrangliste des deutschen Amazon-Buchversandes bis vor kurzem gleich beide Spitzenpositionen. Platz eins auf deutsch, Platz zwei auf Englisch. Dabei funktioniert Moore in Europa ganz anders als in den USA. Daheim hat er der Linken den Humor und die Demagogie zurückerobert. Im Ausland dienen seine Bücher eher dazu, antiamerikanische Vorurteile zu bestätigen.
Und derlei Vorurteile und Ressentiments lassen sich bekanntlich prächtig bis zur Verschwörungstheorie ausbauen. Das Muster gab der französische Autor Thierry Meyssan vor mit seinem spekulativen Bestseller „11. September – der inszenierte Terrorismus“. Inzwischen glauben immerhin 19 Prozent der Deutschen, die Anschläge vom 11. September seien im Auftrag der amerikanischen Regierung geschehen.
Gemeinsam in den Abgrund Verschwörungstheorien, Projektion auf einen Sündenbock, Furcht vor Säkularisierung und Geldkultur: in diesen Aspekten ähnelt der Antiamerikanismus den Mechanismen des Antisemitismus – unabhängig davon, dass dieser Vorwurf in Amerika auf den Konferenzen aller politischen Lager inflationär erhoben wird.
Wenn nicht schon die politischen Folgen, die ein solches Maß an Unverständnis und Polemik auf beiden Seiten des Atlantiks auslöst, zur Besonnenheit nötigen, dann vielleicht doch die wirtschaftlichen Konsequenzen. Der Vertreter der Weltbankfiliale in Genf, Mark Nelson, prognostiziert, dass sich „die beiden Kontinente mit der Ausweitung der politischen Kluft wirtschaftlich gegenseitig in den Abgrund ziehen werden“. Auch nach dem Ersten Weltkrieg entfernten sich Europa und Amerika politisch voneinander. Die europäischen Siegermächte dachten nicht daran, den USA Machtpositionen auf ihrem Kontinent zuzugestehen. Und die USA, die ihre Söhne nach Übersee geschickt hatten, um für die Ideale der Demokratie und Freiheit in der Alten Welt zu kämpfen, fühlten sich vom undankbaren Europa missverstanden und unterzeichneten weder die Verträge von Versailles noch die Abkommen des Völkerbundes. Dieser Isolationismus war vielleicht nicht der Auslöser, doch eine der Ursachen der folgenden Weltwirtschaftskrise. Auch heute, warnt Nelson, verberge sich hinter den zickigen Posen eine Krise der Weltpolitik, für die viele zahlen werden. "
von
Lucas Corso um 14:12
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wDienstag, Juli 08, 2003 |
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In einem Artikel bei Telepolis denkt Harald Zaun über das Anthropische Prinzip und außerirdisches Leben nach: Blicken wir ins Universum hinaus und erkennen wir dabei, wie viele Zufälle in Physik und Astronomie zu unserem Wohle zusammengearbeitet haben, dann scheint es in der Tat fast so, als habe das Universum, wie es Freeman Dyson einmal formulierte, "in gewissem Sinne gewusst, dass wir kommen." Aber das Anthropische Prinzip (AP), das die Bedingungen untersucht, die Kosmos und Naturgesetze erfüllen musste, um eine Lebensform hervorzubringen, die diese Bedingungen auch erkennen kann, muss noch weiter gefasst werden. Eigentlich müsste es in Zukunft in "exobiologisch-kosmisches" Prinzip umgetauft werden, ist doch der Weg vom Urknall zur Ausbildung von Bewusstsein kein kosmisch singuläres Phänomen: Leben - das ist im Universum die Regel. von
Volkmar Kuhnle um 11:18
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