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Heiden neigen dazu, ihr christliches Erbe dadurch auszuleben, dass sie fromme und nachdenkliche Worte über die Welt zum Besten geben...



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david blieswood über Links & Luxus

Der Salonlinke Professor Fritz Raddatz (Zeit, Tucholsky, Benn & Co.) ist ein Genie des Genusses. In seiner brillant-boesen Biografie ("Unruhestifter") schildert er, wie er mit der Milliardaerin Gabriele Henkel bei der reichsten Frau Amerikas, Ann Getty, beim Cocktail in New York Henry Kissinger trifft. Die Millionaere brauchen die Intellektuellen als Hofnarren wie Salz in der Suppe: "Wie einen Verdauungsschnaps. Wir sind der Underberg der Reichen."

DAVID BLIESWOOD (49) alias Norbert Koerzdoerfer, Ex-Chefredakteur der Bildwoche, danach Orientierungsphilosoph in der Bild, umstrittene Lifestyle-Empfehlungen nach dem 11. September ("Ja zu Kuscheln").
Aus der taz Sonderausgabe 27.09.03, als die Redaktion der tageszeitung für einen Tag von der BILD-Redaktion übernommen wurde.

von Lucas Corso um 13:18  


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Die Küsse von Claudia Roth
SONNTAG. Wahlparty im bayerischen Landtag. Claudia Roth stürmt auf mich zu, küsst mich, herzt mich. Ich herze zurück, die Umstehenden staunen über unser Glück. In ihren Augen blinken Fragezeichen. Waren die beiden zusammen auf der Wiesn? Verwechselt sie ihn mit einem anderen süddeutschen Pamphletisten? Alles nur Verschwoerungstheorie. Die Frau ist so euphorisch, weil ihre Grünen sich stürmisch verbessert haben. "Ist das nicht fantastisch", jubelt sie, "33 Prozent mehr. So gut waren wir noch nie. Das ist der Durchbruch in Bayern." "Ja schon", sage ich gedaempft, "aber ich habe FDP gewaehlt." "Macht nichts", strahlt sie, "wir haben unseren Zuwachs sowieso von der CSU geholt." Grossartig. Positiv. Und so eine enthusiastische Frau will der Muffel Castro nicht ins Land lassen.

MONTAG. Stau ohne Hoffnung. Ich sitze in meinem Auto vor dem trostlosesten Verkehrsschild Deutschlands. "Hier wirds eng", steht drauf und "Juli 2003-Oktober 2009". Eine Garantie für sechs Jahre Stau, links und rechts mürrische Gesichter von Menschen. Ich muss wieder an Claudia Roth denken. Sie koennte mich erloesen. Werde sie anrufen und den Grünen empfehlen, zu ihren signifikaten Grundsaetzen zurückzukehren. Das war noch eine Vision, damals auf der Bundesdelegiertenversammlung in Mannheim. Ich weiss noch genau, wie damals die taz schrieb, der Benzinpreis müsse in "Richtung auf die Fünf-Mark-Schwelle" ansteigen. Das war 1994. Heute ist der nicht mehr angemessen. Jetzt, neun Jahre spaeter, koennen sie ruhig fünf Euro pro Liter verlangen. Dann würden diese vielen Staunachbarn endlich von der Strasse verschwinden. Die vielen Minimalverdiener mit Autotick würden endlich gezwungen, den Individualverkehr der eiligen Elite zu überlassen. "Arme Leute in die Busse" - den Slogan schenke ich Claudia Roth. Für die rasende Oberschicht kann man das oekologische Motiv auch positiv verpacken: Freie Fahrt für Vielverdiener. Wenn sie das durchzieht, die Claudia Roth, dann koennte ich zum Wechselwaehler werden. Zumindest mit der Erststimme.

HELMUT MARKWORT (66), Focus-Chefredakteur und Aufsichtsratsvorsitzender Playboy.
Aus der taz Sonderausgabe 27.09.03, als die Redaktion der tageszeitung für einen Tag von der BILD-Redaktion übernommen wurde.

von Lucas Corso um 13:08  


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Post von Wagner

Liebe Bascha Mika,


einmal bei einem gesetzten Abendessen im Adlon, Berlin, war ich Ihr unwissender Tischherr, erinnern Sie sich? Sie lachten mich mit Ihren blauen Augen aus/an, weil ich zu Ihnen sagte, Sie koennen unmoeglich Bascha Mika sein.

Die Chefredakteurin der taz hatte ich mir als gorlebende, rauchgraue, auf ein Minimum einer Frau reduzierte WG-Existenz vorgestellt. Und da sassen Sie durch nichts gezeichnet als von Ihren blauen, blauen Augen. Hatten Sie lavendelfarbene Lippen in dieser Nacht?

In meiner Erinnerung haben Sie duftendes blondes Haar und die Rumba-Hüften einer Verführerin. Und wenn ich die Augen schliesse, dann sehe ich Sie blossfüssig mit eintaetowierten Blümchen über den Knoecheln...

Ich war schwer beeindruckt in dieser Nacht, wissen Sie das, schoene BASCHA MIKA? Ich habe Sie nach der Herkunft Ihres fremd klingenden Namens gefragt. Sie sagten, dass Sie aus Komprachcica, Polen, kommen. Ich habe Sie sofort in mein Herz geschlossen, denn ich liebe den Papst, Lech Walesa, den Dichter Andrzej Szczypiorski ("Die schoene Frau Seidenman").

Ach, es haette was aus uns werden koennen! Aber ploetzlich verliessen Sie das vornehme Adlon, ich habe Sie nie mehr gesehen. Es gibt keine Zeitung, die sich seitdem so hasserfüllt und veraechtlich mir gegenüber benimmt, wie Ihre taz, meine Liebe. Und so stellt sich die Frage, was wirklich geschah, in jener Nacht, dass Sie mich nicht vergessen koennen.

Sagte ich etwas Unpassendes über Katzen, Stricken, Frühstücken, was ich mir aber nicht denken kann, denn meine Salonmanieren sind über Berlin hinaus bekannt. Was ist schief gelaufen, Bascha Mika "among the paths to eden?" War es die berühmte Nano-Sekunde, der milliardste Teil einer Sekunde, die entscheidet über den Fortbestand der Erde, einen ersten Kuss oder das Bestellen eines taz-Abos? Antworten Sie mir auf der Wahrheits-Seite.

Herzlichst
Franz Josef Wagner

FRANZ JOSEF WAGNER (60), Bild-Kolumnist ("Post von Wagner") und Ex-Chefredakteur der BZ, bekannt für empfindsame Schlagzeilen ("Als Steffi Graf als Schwangere kotzte").
Aus der taz Sonderausgabe 27.09.03, als die Redaktion der tageszeitung für einen Tag von der BILD-Redaktion übernommen wurde

von Lucas Corso um 13:02