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Warum die Hühner sich nach wildem Sex sehnen

"Sie können noch so viele Schamanenkurse besuchen, Sie werden wahrscheinlich sogar irgendwelche ekstatischen Erlebnisse verbuchen können, aber Sie werden nie ein Schamane. 
Denn der hatte einen sozialen Auftrag..."
(H.P. Duerr)

Die Sehnsucht nach einem anderen Leben zieht sich wie ein roter Faden durch die Welt unserer Konsumbabys. Ein Leben, das irgendwie aufregend, leidenschaftlich, geheimnisvoll sein soll, findet sich selbst noch beim behäbigsten Bierbauch-Spießer in seinen feuchten Nachtvisionen. Gestillt wird diese Sehnsucht auf ganz verschiedene Weise: Die einen zocken im Spielcasino, der nächste schaut sich "Blair Witch Project" an, die übernächste braucht das Bungee-Jumping. Er holt sich sein Abenteuer bei der Männerschlacht mit Gocha-Kugeln, sie beim Solo -Climbing.[1

Natürlich gibt es auch politische Antworten: Unsere Freunde aus dem schwarzen Block schwafeln von einem "emanzipatorischem Leben", das sie den "Herrschaftsstrukturen" entgegen setzen: "Lebe wild und gefährlich, Arthur." Beliebte Schlüsselwörter aus der Anarcho-Ecke sind denn auch "wild", "frei", "unberechenbar", "zärtlich" usw. Faktisch ist aber das Leben der anti-imperialistischen Frontkämpfer, abgesehen vom Göteborg-Kick (oder war es Genua?), genauso spießig und langweilig wie das vom Rest des Mainstream. Der Rest der Aufregung verläuft sich denn auch in verklingende Sympathie für Stadtguerillias oder dem vom repressiven Staat verbotenen Hanf-Rauchen.

Die ökospirituellen Überbleibsel der 68er Bewegung haben auch eine Lösung parat: Dieter Duhm und seine Nachplapperer z.B. empfehlen Sex als Alternative: "Wir werden erst dann an eine globale Überwindung des Krieges glauben können, wenn wir eine Sache gefunden haben, die noch größer und noch faszinierender ist als Krieg und Kräftemessen - und dies könnte tatsächlich die Sache der sinnlichen Liebe sein im Sinne einer ehrlichen, freundschaftlichen, kraftvollen, geilen und solidarischen Verständigung der Geschlechter, die wirkliche Wiedervereinigung von Mann und Frau."[2] Viel anders klingt das, was aus dem Umfeld der Zeitschrift Connection, den Tantra-Seminar-Veranstaltern oder der deutschen Sannyas-Szene geboten wird, auch nicht. Dass die von Duhm gegründeten oder beeinflussten Projekte im Umfeld von Meiga, ZEGG, Tamera dann zwar quasi gesetzmäßig zu langweiligen, hochideologischen Projekten mit geistiger Monokultur und Gruppeneinheitsslang mutieren, liegt in der Natur seiner Herkunft: Er teilt mit weiten Teilen der Anarchos eine Herkunft aus sozialistischem Denken und aus der Psychoszene. 

Freilandhaltung?

Vom Hodenreiben und Zerfleischen von Lämmern

In Tirol trieben wildgewordene Frauen zu bestimmten Zeiten durch die Dörfer und Felder. Erwischten sie einen Hirtenburschen, so wurde er unter zügellosem Gelächter auf den Boden "geworfen und dort festgehalten. Darauf riss man ihm die Hosen vom Leib, und die Frauen rieben ihm, ohne seinen Penis zu berühren, beständig die Hoden, bis er mit einer Dauererektion dalag, die ihm vermutlich nach einiger Zeit große Schmerzen bereitete, da die Frauen es nicht zu einem Samenerguss kommen ließen. Nachdem der Bursche schließlich unter Hohn und Spott davongejagt wurde, näherte sich das Fest seinem Höhepunkt. In wildem Wipp - und Trippeltänzen, mit entblößtem Unterleib, feuerten sich die Frauen gegenseitig mit Gertenhieben und -strichen an, und jungen Nachzüglerinnen halfen Gewitztere mit phallischem Gerät und den Schwurfingern nach."

Hans Peter Duerr, der diesen Bericht aus dem Mittelalter wieder ausgegraben hat, illustriert in seinem Buch "Traumzeit - Über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation" [3] anhand vieler solcher Geschichten den Einbruch des Wilden in die Dörfer und Städte des Mittelalters - Relikte einer Zeit vor dem Christentum. Er verweist auf die gefürchteten Brechlerinnen im windischen Gailtal in Oberkärnten, die nach Knechten oder Bauersöhnen jagten. "Fassten sie einen...., dann wurde er festgehalten, mit Werg umwickelt und an einen gefällten Baumstamm 'gehobelt'. In der Gegend von Feldkirch mussten sich die Männer auf den Boden legen, und die Brechlerinnen stiegen über sie hinweg." 

Er berichtet über Bulgarien, in dem "noch vor kurzer Zeit manche Hebammenfeste damit endeten, dass sich die Frauen einander beschliefen". Er beschreibt minutiös die Tänzerinnen der Artemis Korythalia, die mit gelösten Haaren halbnackt tanzten und sich künstliche Phallen umbanden. "Männer, die an solchen Tänzen teilnahmen, taten dies in Frauenkleidung und unter Frauenmasken. Ihnen fehlt bezeichnenderweise der Penis, und nach ihren Bewegungen zu schließen waren sie Empfangende, nicht Zeugende, Männer, die den Frauen ihren Hintern zur Begattung darboten." Die Aufzählung ähnlicher Begebenheiten und Riten könnte endlos fortgesetzt werden: elsässische Weibertage, provenzialische "Hexentänze", die mitteldeutschen "Unholde" usw.

Doch den Einbruch des Wilden in den "Zeiten zwischen den Zeiten" gab es ebenfalls in den Männerbünden. In Lettland gingen noch Ende des 16. Jahrhunderts an Pfingsten, Johanni und am Feiertag der heiligen Lucia brave Bauern in die Büsche, warfen dort ihre Kleider ab und wurden zu reißenden Wölfen, die Pferde, Lämmer, Zicken und Ferkeln zerrissen. In der Schweiz waren Burschenschwärme gefürchtet, die in "Teufelskleidern" durch die Landschaften streiften und regelrecht eine Schreckensherrschaft ausübten. Sie raubten, zerstörten, erpressten und richteten über die Menschen. 

Die bulgarischen Kukeri, "dämonische Läufer" mit gehörnten Vogel- und gefiederten Ziegenköpfen töteten außerhalb jeder Rechtsnorm und durften deshalb außerhalb jeder Rechtsnorm getötet werden. In Bayern wüteten in einer "wilden Jagd" die Haberer mit ihrem Haberfeldtreiben, in Frankreich mit Zerstörung, Mord und Totschlag die Charivaris. Noch 1692 wurden in Livland Strafverfahren zum Werwolfwesen durchgeführt und im nördlichen Frankreich haben sich bis in unsere Zeit Reste dieser einst orgiastischen Riten erhalten (Duerr führt ein Fest des "Grünen Wolfes" in Jumièges am Seineufer oder in Montreuil-sur-Mer an). Quer durch ganz Europa waren "Wer-stiere"(?), "Wahrwölffen (Werwölfe)" und Perchten eine Qual der Bevölkerung, die verhasst und gefürchtet waren, bis sie schließlich überall von der Obrigkeit verfolgt und verboten wurden.

Hin- und wieder mischt sich das Dämonische selbst unter die Wilden. "Im Tiroler Igls beobachteten die zwölf Teufelsmaskenträger, wie plötzlich ein Dreizehnter unter ihnen tanzte und wie rasend über die Dorfbrunnensäule hinwegsprang, was kein Sterblicher jemals hätte schaffen können."[4]

Immer wieder findet man in Erzählungen und Berichten, dass der Herr der Dämonen auf solchen Veranstaltungen plötzlich selbst erscheint oder die "Vermummten bei ihren Läufen auf einmal wie festgebannt stehenblieben, weil ihnen ein Zug von wirklichen Teufeln entgegengebraust kam."

Für den Ethnologen Duerr tun sich hier natürlich gewisse Probleme auf, wenn etwa Praetorius von seltsamen Weihnachts- und Fastnachtszügen in Thüringen berichtet, bei denen " sowohl lebendiger als todter Leute Gesichter in grosser Anzahl offte erkandt werden". [5]

Noch merkwürdigere Ereignisse kann er denn auch nur noch als seltsame Sturm- und Wettererlebnisse deuten, wie etwa bei jenem Bericht über eine Herbstnacht im Jahr 1550, bei dem ein wildes Heer in der Dunkelheit um zehn Uhr über Mösskirch hinwegfegte. Es "fuhr ungestüm" vom Banholz über die Ablach auf Minchsgereut, dort verweilte es eine Weile und zog umher, kam dann mit "wunderbarlichen Getöse, lauten Geschrei, Klingeln und starkem Wind" die Herdtgassen herab, am Siechenhaus vorbei, um über die Ablachbrücken dann dem städtischen Bach zu folgen. Die Nachtwächter auf dem Turm und in der Stadt vermochten die ganze Zeit nur den Lärm zu hören, konnten aber in der Finsternis nicht sehen, wie das Treiben sich in Richtung Herdlin aufmachte. Dort zog es durch den Ort nach Rosdorf und schließlich nach Feringen an der Lauchard. Die Bürger dort vernahmen unter Furcht, wie das "wütende Heer" vom Burgstall hinab durchs Städtchen tobte. Der Wächter Hans Dröscher, der dort um 12 Uhr nachts durch die Gassen zog, begegnete einem Krieger, dessen Kopf in zwei Teile bis zum Hals gespalten war, was bei dem guten Mann wohl einen gewissen Schock ausgelöst hat, denn schließlich verbrachte er die nächsten 16 Wochen im Krankenbett.[6]

Diese Einbrüche der Wildnis in die Zivilisation enthalten genau die Kernelemente, die heute selbst den phlegmatischsten büchergrauen Gesichter der Intellektuellen - Kaste schlagartig noch einen rosigen Teint verleihen können: Plötzlichkeit, Unberechenbarkeit, Erotik und Gewalt. 

Es sind genau jene Elemente, die Duhm in einigen seiner Bücher als ein wahrhaft aufregendes Leben ausmacht und die selbst die braunen Genossen aus der Ernst Jünger Gefolgschaft als einem "Stahlgewitter" ebenbürtig beschreiben würden. Und wer einmal die Chance bekommen hat, Erfahrungsberichte schwarzer Kapuzenträger zu Street-Fighter-Orgien im Kampf gegen den globalen Imperialismus zu lesen, wird hier eine seltsame lyrische Übereinstimmung finden. Eine Gemeinsamkeit über Grenzen hinweg, die uns zu denken gab.

Die sozialversicherten Hühner

Solche Berichte aus dem Heidentum könnten erklären, woher jene Abenteuer - Sehnsucht des westlichen Menschen kommt, dessen Lebensbedingungen die Nagual - Frau Carol Tiggs[7] mit einem modernen Hühnerstall vergleicht. In ihrer Analogie agieren wir mit dem Geflügel nur das aus (die Hühner binden, sie in Käfige stecken, die Flügel, Krallen und Schnäbel stutzen, sie dressieren und abernten), was gemäß unserer eigenen Lebenserfahrungen mit uns passiert. 
Die meisten von uns leben in Legebatterien, ein paar genießen das Privileg der idyllischen Boden- und Freilandhaltung, was aber nichts daran ändert, das unser Lebensweg ähnlich vorgezeichnet ist wie der von jenen Wesen, die wir tagtäglich ausbeuten. Unser Leben ist dem der Hühner durchaus vergleichbar - mit dem Unterschied, daß "wir unsere Ställe und Käfige selbst zimmern."
"Die meisten leben und arbeiten in abhängigen Verhältnissen, in denen sie mehr oder weniger willige Diener sind, wenn sie auch keine Kette mehr um den Hals tragen. Ihr einziger Trost besteht meist darin, daß andere noch tiefer auf der Hierarchieleiter stehen und von ihnen ausgebeutet und unterdrückt werden, ganz im Sinne des Radfahrerprinzips: Nach oben buckeln und nach unten treten."[8]

Norbert Claßen, der derzeit als der solideste deutsche Informant über jene seltsame nordamerikanische Zauberer- Gruppe gilt, die seit 20 Jahren unter der Bezeichnung "Tolteken" bekannt ist, beschreibt ihre Sicht auf das Leben in der westlichen Hemisphäre folgendermaßen:
"Das typische Strickmuster... [unseres festgelegten] Drehbuchs ist ausgesprochen einfach: Wir werden geboren und augenblicklich als Mitglieder einer Gesellschaft erfaßt. Zunächst kümmern sich unsere Eltern, meist die Mütter, um uns, welche die Rolle von ersten Platzanweisern übernehmen. ... Wir lernen, den allgemeinen Konsens als einzig reale Welt wahrzunehmen, zu interpretieren und aufrechtzuerhalten.

Auf diese Phase der Grundsozialisation... folgt in unserer modernen Welt ein institutionalisiertes System, welches eine normierte Feinabstimmung... vornimmt.

Dabei führt der Weg über die professionellen Platzanweiser in Kindergärten und Schulen in eine Berufsausbildung. Erst dann - denn bis dahin sind meist zwanzig Jahre vergangen - werden wir in die 'harte Alltagswelt' entlassen und selbst zu Trägern des Systems, in das wir hineingeboren wurden.

Weniger institutionalisiert ist ein anderer großer Bereich der sozialen Ordnung, in dem es um Sexualität, Partnerwerbung, Familiengründung und Fortpflanzung geht: Die sogenannte Intimsphäre. (...)Wenn die Gesellschaft in diesem Bereich nicht so offensichtlich eingreift wie im Fall der beruflichen Entwicklung, beschränken auch hier zahlreiche geschriebene und ungeschriebene Regeln des Konsens die Freiheit des Individuums, welches sich innerhalb der engen Grenzen gesellschaftlicher Erwartungen zu bewegen lernt.

Für unser Drehbuch bedeutet dies, dass man idealer weise gegen Ende der Berufsausbildung einen standesgemäßen Partner des anderen Geschlechts findet, mit dem man eine Familie gründet und den Kreislauf von neuem beginnt. Man zeugt Kinder, sorgt sich um deren Entwicklung, den eigen beruflichen Erfolg, Hobbys und andere Belohnungen - und nicht zuletzt für eine angemessene Rente oder Altersversorgung.

Wenn die Zeit dafür gekommen ist, befinden wir uns meist schon im vorgerücktem Alter, leiden unter körperlichen und geistigen Gebrechen, die uns das Leben schwer machen. Und da wir seit unserer Kindheit nie irgend etwas wirklich selbst gemacht und im monotonen Arbeitsalltag jegliche Flexibilität verloren haben, ist es uns nun nahezu unmöglich geworden, etwas Neues zu beginnen. So schlägt man die Zeit mit den Banalitäten unserer Konsumgesellschaft tot, bis Freund Hein ein Einsehen hat und unsere nutzlose Existenz beendet. .... Unser einziger Trost ist, daß unsere Eltern genauso dumm gestorben sind und unsere Kinder wahrscheinlich genauso dumm sterben werden. Darin besteht der eigentliche Zynismus, der ein Produkt unserer sozialen Ordnung ist."[9]

 

Legebatterie?

Die Stadt der Werwölfe

Hans Peter Duerr's These ist einfach: Je mehr wir diese Wildheit, die in den Zeiten zwischen den Zeiten bei uns hereinbrach, ausgemustert haben, je mehr wir sie als neurotisch, archaisch und "gegenaufklärerisch" aus unserer Umgebung ausgestoßen haben, desto mehr taucht sie im Zentrum unserer Kultur wieder auf. Sie schleicht sich über die Kellertreppe in unser Wohnzimmer, und auf einmal wird aus dem liebenden Schriftsteller ein Jack Nicholson der seine Familie, Kinder und den Hausmeister zu Spare-Ribs verarbeiten will. "In anderen Worten: es gibt keine Flucht vor dem Anderen, dem Draußen, vor Hexen, Werwölfen und vor dem Wahnsinn. Sehen wir ihnen nicht irgendwann ins Gesicht, dann hämmern sie nachts an die Kellertür und hocken schließlich auf dem Nachttisch."[10]

Für Heiden stellt sich die Frage überraschenderweise anders: Kann es sein, dass in dem Maße, in dem heidnische Traditionen in bestimmten Subkulturen wieder an Raum gewinnen, auch die Frage nach dem Hühnerstall neu gestellt werden muss? 

Man wird uns jetzt entgegnen: "Das wird ja wohl kaum heißen können, von neuem Perchten und Unholde durch Köln ziehen zu lassen, die die Bewohner verprügeln und die jungen Männer vergewaltigen..."

Vermutlich nicht. Aber bemerkenswert ist doch schon, dass gerade in jener Vielzahl an Wohn- und Lebensstilexperimenten, die seit den 70er Jahren innerhalb (und verursacht durch) die sogenannten "Neuen Sozialen Bewegungen" entstanden, das Moment der Spontaneität, Motive wie "Wildheit" und "unangepasst sein", Ausbruch und Abenteuer eine eminent wichtige Rolle spielten. Es könnte sich also für Heiden durchaus lohnen, über neue soziale Strukturen nachzudenken. Sollten Heiden mehr sein als eine esoterische Form des Christentums, dann werden sie vermutlich nicht ihr Heidentum zu einer ähnlichen privaten Gesinnungssache erklären, wie dies der aufgeklärte Christ in unserer heutigen Zeit gewöhnlich macht. Hexenzirkel, Stammesmodelle oder das Konzept der germanischen Sitte deuten soziale Konsequenzen an, die sich lohnen zu verfolgen. 

Wahrscheinlich wird dies in Auseinandersetzung mit jenen Erfahrungen geschehen, die in jenen oben erwähnten sozialen Experimenten gewonnen wurden und noch immer gewonnen werden. Eine Vielzahl an Gemeinschaften und sozialen Strukturen sind mittlerweile entstanden, die einen mehr ökologisch, die nächsten spirituell, wieder andere politisch ausgerichtet. In Europa tummeln sich matriachalische Stämme neben Experimenten für eine freie Sexualität, Ökodörfer neben anarchosyndikalistischen Kommunen, christliche Siedlungsgemeinschaften neben großen Permakultur-Höfen. Hier können heidnische Gruppen sicher einiges lernen. Bedauerlicherweise ist dies jene Seite, die uns Autoren weniger interessiert.

Die andere, für uns wesentlich spannendere Seite ist die Frage, welche Impulse Heiden selbst in diesen Erfahrungsschatz geben können. Schaut man sich die traurigen Gestalten an, die derzeit die Besetzung der Heidenszene abgeben, so scheint man dies ersteinmal gar nicht glauben zu können. Natürlich kann man ihr spätpubertäres Gehabe und soziale Unreife nicht vergleichen mit dem Standing und der Arriviertheit wie es Projekte wie Findhorn, Ökodorf Poppau-Siebenlinden oder Auroville aufweisen. Aber Heiden sind Fährtensucher fremder Traditionen, sie haben Zugang zu sozialen Modellen, die in naturreligiösen Kulturen zu hause waren oder sind (- zumindest jene kleine Minderheit, die weitgehend frei von theosophischen oder christlichen Wahrnehmungsstörungen sind.). Das könnte ein Potential an sozialem Know-How beinhalten, das noch lange nicht dort angekommen ist, wo es vielleicht nützlich wäre: In der normalen Gesellschaft - jenseits von Kobolden und Elfen.

(Hagebutte und Wacholder)



Fußnoten:

1 Mag sein, daß die derzeitige Erschütterung, die nach den Anschlägen von New York die Menschen aufwühlte, noch einige Zeit anhalten wird. Aber mit sicher Wahrscheinlichkeit wird schon bald wieder ein Alltag einsetzen, der diese Aufregung vergessen lassen wird.

2 Dieter Duhm: "Der unerlöste Eros", Radolfzell 1991; (S.29)

3 Hans Peter Duerr: "Traumzeit - über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation", Frankfurt 1985; Kapitel 4 (S. 61 - 72)

4 Hans Peter Duerr, a.a.O. ; Anm. 38 (S. 363)

5 Hans Peter Duerr, a.a.O. ; Anm. 45 (S. 366)

6 nach einem Bericht aus der Zimmerischen Chronik, Freiburg 1882; zitiert nach Hans Peter Duerr, a.a.O. ; (S. 71)

7 Carol Tiggs, Vortrag vom 22. Juli 1996. Tensegrity Workshop in Westwood, Los Angeles.

8 Norbert Claßen: "Carlos Castaneda und das Vermächtnis des Don Juan", Freiburg 1998; (S.130)

9 Norbert Claßen: "Carlos Castaneda und das Vermächtnis des Don Juan", Freiburg 1998; (S.101ff.)

10 Hans Peter Duerr: "Satyricon Essays und Interviews", Frankfurt a. M., 1985; (S. 31)