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Einführung in die Magie - Teil 1
"Ah! Magic is green!"
- Kevin Matchstick am Geldautomaten.
Die Frage "Was ist Magie?" ist einerseits leicht, andererseits aber unmöglich zu beantworten. Es kommt auf den Standpunkt des Fragenden an. Besteht die Möglichkeit, einfach mit dem Finger auf etwas zu deuten und zu sagen: "Na, das!", war's ganz einfach. Geht das nicht, muss man, so man sich überhaupt auf eine Beantwortung der Frage einlassen will, mit Vergleichen arbeiten. Das hat allerdings soviel Sinn, wie einem Blinden die Farbe Lila zu erklären. Bestenfalls kann man einen Eindruck vermitteln, mehr auf keinen Fall. Allerdings mag es passieren, dass dieser Eindruck als eine Brücke fungieren kann, die es möglich macht, den Schritt über den Tellerrand hinaus zu tun und dadurch auf das Terrain zu gelangen, auf dem man wiederum auf etwas deuten kann und sagt: "Und so sieht das dann in Wirklichkeit aus!".
Zu kompliziert? Okay, anderer Ansatz:
-"Glaubst du an Magie?"
-"Nein, glaubst du etwa an elektrischen Strom?"
-"Quatsch! Bei Elektrizität kann ich doch sehen, daß sie funktioniert."
-"Eben."
-"Ähm..."
Zu polemisch? Na gut, noch ein Versuch:
Schon mal über Weltbilder nachgedacht? Davon gibt es so viele wie Menschen und meist sind ihre Grenzen erfahrungsabhängig. Das heißt, Herr Newton lebt in einem Weltbild, das Ursache und Wirkung physikalisch miteinander verknüpfen muss, um beides zu erkennen. Es ist eine Art Untertasse, innerhalb derer dieser Ansatz grundsätzlich funktioniert. Ein magisches Weltbild erweitert den Rand dieser Untertasse und bildet nun schon einen richtigen Teller. Man kann weiter sehen, sich weiter bewegen und es gibt natürlich mehr Risiken. Der Teller sagt nichts, aber auch
gar nichts über die Qualität des Menschen, der auf ihm lebt, aus. Allerdings gibt es einen Unterschied, den viele zu dieser Annahme verführt: Herr Newton kann sich nur bis zu seinem Tellerrand bewegen, während der Magier für ihn anscheinend plötzlich verschwindet, denn der kann ja einfach weitergehen. Sein Tellerrand, an dem er
stehen bleiben muss, ist ja noch ein Stück weg. Der wichtige Punkt ist nun der: Ist Herrn Newton klar, dass er nur eine Möglichkeit finden muss, weiterzugehen? Oder ist er dem ziemlich arroganten Irrtum aufgesessen, dass sein Unterteller schon das gesamte Universum und seine Geheimnisse absteckt? Im zweiten Fall kann man nichts machen.
Eine Vorraussetzung, über seinen Tellerrand blicken zu können ist logischerweise das Bewusstsein
zu entwickeln, dass es sich um einen solchen handelt und es somit dahinter weitergeht. Was man nun braucht, ist ein Fenster, oder besser noch eine Tür. Das ist nun leider der schwierige Teil des Ganzen. Wenn es einfach wäre, könnte ich mir die Mühe sparen, diese Zeilen zu schreiben.
Besser ?
Ach so, ich habe das eigentliche Thema vergessen: "Was ist denn nun Magie?"
Wie wäre es damit: Wir sind uns einig, daß es nicht möglich ist, dir Magie zu beschreiben. Könnte ich es, wäre es nicht mehr nötig.
Aber ich kann dir ein Bild geben, wie es ist, mit Magie zu leben. Und zwar ist es ungefähr dasselbe, wie mit dem Telefon zu leben. Man muss es nicht
benutzen, um zu wissen, dass es funktioniert; nicht einmal, um zu wissen, wie es funktioniert, denn das Telefon ist Teil unseres Weltbildes (ich spreche hier ausschließlich von dir und mir). Gehen wir aber davon aus, ich will das Telefon benutzen. Nun gibt es wieder unzählige Möglichkeiten: Gehe ich in eine Telefonzelle, ist es teurer, aber ich muss es nicht in meine vier Wände lassen. Habe ich ein Handy, muss ich am meisten bezahlen und brate mir regelmäßig mein Ohr per Microwelle an, bin aber am mächtigsten, da Zeit und Ort keine Rolle spielen. Lese ich die Betriebsanleitung kann ich mehr mit einem Telefon anfangen, als ohne: Ich ändere den
Klingelton, so dass ich es besser hören kann, ich lasse meine Anrufe weiterleiten, ich kann Nummern einprogrammieren und muss nicht jedes Mal ein langes Ritual (Telefonbuch durchsuchen) ausführen, und so weiter. Und dann gibt es noch, wenn ich genug materielle Güter (z.B. Geld) und noch mehr Zeit zum Lernen investiere, die Möglichkeit, Zusatzgeräte zu nutzen: Faxgerät, Computermodem, Anrufbeantworter und all das.
Letztlich aber ist das einzig Wichtige: Ich weiß, dass es möglich ist, Informationen durch Leitungen und Luft zu senden und es liegt nun an mir, ob und wie ich diese Möglichkeit nutze:
Bin ich nur auf Effekte aus? Das kann ich leicht haben, ich kaufe mir ein knallbuntes Mickymaus-Telefon mit Leuchtröhre, die beim klingeln blinkt. Das macht meine Anrufe allerdings nicht effektiver, geschweige denn wichtiger.
Kann ich das Telefon benutzen oder mache ich mich davon abhängig? Wenn ich mich nicht mehr aus dem Hause traue, weil ja wer anrufen könnte, bin ich sicherlich in zweiter Lage.
Ich kann mich auch ohne Weiteres per Telefon ruinieren: Wähle nur oft genug: "null eins acht null, vier mal die sechs, zweimal die neun..."
Wichtig in der Magie wie beim Telefon ist: Es gibt beides, aber mein Wille ist es, der es nützlich macht. Das Telefon ist nicht schuld daran, dass mich jede Nacht um drei ein Stöhner aus dem Bett klingelt. Wenn ich ein Telefon besitze, muss ich damit rechnen, dass sowas passieren kann und es liegt an mir, wie ich darauf reagiere oder mich im schon im Vorraus schütze. Keinesfalls ist das Telefon
deswegen "des Teufels". Komisch, dass die meisten an dieser Stelle sagen: "Aber das ist doch logisch."
Ein magisches Weltbild zu haben ist erst mal nur das Wissen, dass es Telefon gibt. Eine Hexe oder ein Magier benutzt es, um willentlich etwas zu verändern. An dieser Stelle hinkt der Vergleich besonders deutlich: Die Veränderung per Magie geschieht nicht durch Kommunikation mit einem anderen Menschen. Hier wird mit dem Gefüge, der Natur, dem Universum oder wie auch immer man's nennen mag
interagiert. Der Magier lebt eigentlich innerhalb der Telefonleitung. Oder besser, er ist ein Cyberpunk, mit einer (allerdings natürlichen) Schnittstelle, die er nur ans Leitungsnetz anschließen muss. Und ab diesem Punkt entgleitet das Beispiel komplett, denn das Anschließen entfällt eigentlich auch. Er ist ständig online, und die "Leitung" ist nur virtuell, und somit auch nicht zeit- oder ortsabhängig.
Bevor jetzt ein Schlaumeier sagt: "Dann sind Magier ja eigentlich Yuppies mit eingebautem Handy", sage ich: "Da seid ihr nun am Tellerrand. Weiter müsst ihr selber gehen, denn ab hier wird's nun nur noch unverständlich, wenn ich weiterrede".
Und empfehle mich durch die magische Hintertür. Folge mir, wenn du kannst!
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