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Einführung in die Magie - Teil 2
"Sie ist ein Energiefeld, das alles durchdringt. Sie hält die Galaxis zusammen"
- Obi Wan Kenobi
Nachdem ich im ersten Teil meiner Ausführungen so unkonkret
geblieben bin, möchte ich diesmal doch ein wenig genauer die Frage behandeln, was Magie denn nun eigentlich ist, wie man an sie herankommen kann und wozu man sie braucht (oder auch nicht).
Dennoch, so ganz unproblematisch ist dieses Unterfangen nicht, denn wenn ich vermeiden will, dass diese Erläuterungen nur das wiedergeben, was ich
selbst unter Magie verstehe, muss ich manchmal ausweichen oder versuchen, Bilder zu benutzen, die euch eure eigenen Vorstellungen nicht verbieten. Und dann
wirds doch wieder etwas vage.
Eine kleine Begriffsklärung: Das Wort "Magie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Zauberkunst". Damit ist, ganz trocken gesagt,
erst mal gemeint: Der Glaube, durch Beschwörungen, Rituale und Zauberei Veränderungen in der Natur, am Menschen und an dem, was gemeinhin "Geschick" genannt wird, zu bewirken. Zugrunde liegt dem die Analogie zwischen Makrokosmos, also der Welt, und dem Mikrokosmos, dem Menschen. Ein Stichwort zum Nachschlagen wäre dazu "Hermes
Trismegistos".
Magie und religiöse Weltbilder
Nun fehlt in obiger Definition eine Kleinigkeit, die ausgerechnet für uns eine nicht unerhebliche Rolle spielt: Die Religion. In unserem speziellen Fall die Naturreligion. Und die geht in dem Punkt "Verhältnis von Makrokosmos zu Mikrokosmos" ein ziemliches Stück weiter, gehen wir doch
in einem naturreligiösen Kontext davon aus, dass wir gar nicht getrennt von der Natur existieren können, sondern ein hundertprozentiger Teil davon sind. Dadurch erledigen sich gleich mal eine ganze Reihe von Überlegungen, die sich so ein Magier im Vorfeld seines Tuns so macht, oder mit denen er konfrontiert wird. Zum Beispiel die Frage: Ist Magie "böse"? Ist sie eine teuflische Macht, die korrumpiert und die Seele schädigt, wie es die Christen glauben (well, die meisten jedenfalls)? Diese Frage kann von uns glücklicherweise gleich mal in die Ablage Hirnwichs abgelegt werden, denn wenn wir Teil der Natur sind, diese von den magischen Kräften durchdrungen und gehalten wird, wieso sollten wir dann darüber nachdenken, ob uns Magie schadet? Wir, und auch die besten Christen, haben gar keine Chance, uns von der Magie fernzuhalten, sie ist doch auch in uns selbst schon zur Genüge vorhanden. Wir benutzen sie ständig unbewusst, indem wir Wünsche formulieren, diese an Bedingungen knüpfen oder an Versprechen, die sie magisch verstärken. Jedes Gebet ist Ausübung von Magie, jedes Klopfen auf Holz ein Ritual, das sie freisetzen oder bannen soll. Das wäre ja, wie zu überlegen, ob essen schädlich für die Verdauung ist. Hier kommen wir an das hüpfende Komma: Nein, essen ist sogar notwendig, aber es kommt darauf an, was, wie und
wie viel wir essen.
In einem Weltbild, das holistisch ist, wie das Naturreligiöse (das ist aber beileibe nicht das einzige), braucht man Magie daher auch nicht Geheim halten, wie es der Okkultist ("Geheimwissenschaftler") tut, oder sie verklären und zu etwas exklusivem machen, wie es leider die Theosophen und all ihre schönen Ableger versuchen, für die ein Magier "Stufen", "Grade" oder sonstige hierarchischen Konstruktionen erklettern muss, die dem "profanen Menschen" natürlich verschlossen
bleiben ( diesem Deppen). In der Natur ist nun aber dummerweise alles Flach, alles liegt offen da, nichts steht über dem anderen oder gliedert sich in "bessere" oder "schlechtere" Dinge. Die angeblich am höchsten entwickelten Lebewesen müssen ficken, um sich zu vermehren, einige der niedersten Lebensformen überhaupt teilen sich einfach in zwei Neue, wenn ihnen danach ist. Nun, das Ego des Menschen ist natürlich eines, das sich über solcherlei Schmeicheleien, die es ermöglichen, sich höherwertig zu fühlen, als der reiche Nachbar dort drüben, freut wie blöde. So blöde gar, dass es nicht merkt, dass er nicht sich erhöht, sondern den Nachbarn erniedrigt. Und wir wissen ja alle aus dem Geschichtsunterricht, wohin uns ein paar ganz besondere Ableger der Theosophie gebracht haben. Aber dieses spezielle Thema ist, glaube ich, ja
schon mal erwähnt worden.
Magie und Rituale
Wenn nun Magie im naturreligiösen Weltbild einfach dazugehört, also nicht mehr aus fremden Sphären herunter oder heraufbeschworen werden muss, wie kommts dann, dass dennoch Rituale benötigt werden, Gegenstände wie Edelsteine, Stäbe, Messer, Kelche (mit lecker Whisky) ausgepackt werden, bestimmte Worte oder Formeln benutzt werden? Nun, Magie ist zwar überall vorhanden, aber um tatsächlich bewusst eine gewollte Veränderung zu bewirken, müssen wir einen ganz bestimmten Zustand hervorrufen, der uns, unsere Umgebung und das Ziel, das wir mit der magischen Verrichtung haben, in Einklang bringt. Die Überlegung funktioniert in der Weise: Wenn ich mir mit der mich umgebenden Energie (Natur, Zeit, was auch immer) soweit einig bin, dass der Zustand, den ich erreichen mag, die Energieart und -menge erhält, die er benötigt, um manifest zu werden, dann gibt es keinen Grund mehr, dass er nicht auch eintritt. Dieser machtvolle Einklang muss umfassend sein. Gefühl, Verstand und Geist müssen stimmen und die Rituale unterstützen das. Sie helfen, zu filtern ("Die lassen nur den guten Kaffeegeschmack durch."), zu
fokussieren und Verständnis aufzubringen für die größeren Zusammenhänge, ohne die man die Brücke nicht schlagen kann zwischen Dingen, die
erst mal ganz offensichtlich nichts miteinander zu tun haben. Sie erzeugen die passende Stimmung, die wir brauchen, um Energien zu spüren und sie erzeugen Kanäle, über die wir den Energien die Richtung geben. Wichtig ist dabei: Wir geben niemals die Kontrolle ab, wir lassen uns nicht treiben und es ist verdammt
noch mal kein Geschäft. Wir erkaufen nichts, wir verkaufen nichts. Wir versuchen nur, unserem Wesen zu entsprechen. Geht was schief, sind wir ganz alleine Schuld und niemand anderes. Auch nicht das Ritual.
Magie ist eine höchstpersönliche Angelegenheit
Der letzte Satz ist wichtig. Denn man muss sich erst mal gut genug kennen, muss sein Ego kennen, muss seine Limits und seine Stärken ausloten, bevor Magie wirklich funktioniert. Das hat nichts mit dem schon erwähnten Irrglauben zu tun "weiter" zu sein, als andere, denn hier geht es um ganz klare soziale Grundlagen, die in der heutigen modernen Gesellschaft denselben Stellenwert innehaben, selbst, wenn der Begriff "Magie" dabei nicht auftaucht. Man wird auch als naturreligiöser Mensch und sogar als Magier von den Leuten akzeptiert, wenn sie spüren, dass du nicht vorgibst, etwas zu sein, sondern es ganz offensichtlich bist. Die Leute sind nicht dämlich, sie haben die Fähigkeit, Andere einschätzen zu können. Und wenn die Einschätzung so ausfällt, dass zwischen Worten, Taten und Wesen einer Person einfach zu große Lücken klaffen, werden sie über ihn lachen, ob er dabei behauptet, Magier zu sein, Gehirnchirurg, Kräuterexperte oder Computerfreak, ist dabei unerheblich. Es geht nur darum, ob er Eindruck schinden oder ein Bild verkörpern will oder ob er einfach ist, was er behauptet zu sein.
Magie funktioniert genauso: Sie kann nicht belogen werden, auch nicht dadurch, dass man die Rituale akribisch genau aus dem Buch nachvollführt. Ein Ritual muss der Person entsprechen, die es ausführt. Das bedeutet, dass der Eine 13 gelbe Bienenwachskerzen anzündet, der Andere aber eine CD mit Musik von
Queensryche auflegt, um genau dasselbe zu bewirken. Der Eine fastet zwei Tage, um die Energien so intensiv wie möglich spüren zu können, der andere besäuft sich mit dem Hinweis, das öffne
nun mal die Tore (Hi, Druide!). Und alle tun das Richtige.
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