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Einführung in die Magie - Teil 3
"And once you begin to walk the path of magic, you can never step off it."
- The Phantom Stranger in: Gaiman, Books of Magic, DC 1990/91
Okay, keine weiteren Erklärungen, macht eure ersten Schritte auf der Suche nach der Magie (Aber Vorsicht, der Phantom Stranger hat meistens Recht). Sucht euch die richtige Musik, am besten etwas, das eurem Wesen entspricht, eurer Tradition oder der momentanen Stimmung. Sie sollte möglichst etwa fünfzehn Minuten am Stück laufen können. Wer
auf der Magung 2001 bei meinem Kurs "Dimensionsreisen" dabei war weiß, worum es mir hier geht. Alle anderen: Vertraut mir, ich weiß, was ich tue (die letzten Worte des Sprengstoffexperten). Dazu ein Tip: Nehmt die Musik auf einer frischen
Kassette auf und lasst vorher ein paar Minuten Zeit auf dem Band, dann gibt es keine Hektik und ihr müsst euch nicht noch um die richtige Reihenfolge der Lieder (so es mehrere sind) kümmern.
Nun wartet solange, bis der Abend so ruhig wie möglich ist. Zieht euch etwas bequemes und lockeres an, dunkelt das Zimmer etwas ab, zündet ein paar Kerzen an und lasst die Stimmung ein wenig wirken. Wer mag, trinkt dabei in Ruhe einen Cidre oder Wein. Der Druide kippt sich seinen Whisky. Sobald euch danach ist - ihr wisst schon wann - schaltet ihr die Musik an.
Nun begebt ihr euch in eine Position, in der ihr euch entspannen könnt. Es kommt da allein auf eure Vorlieben an, ob ihr auf einem Kissen kniet, euch aufs Sofa legt, auf einem Stuhl sitzt oder ein Nagelbrett bevorzugt. Hauptsache ist, dass ihr nicht verkrampft oder euch irgendwas abquetscht (den Ischias zum Beispiel, nicht was ihr wieder denkt). Etwas Übung in Autogenem Training™, Yoga® oder Sonstetwas In Der Art© wäre nicht
verkehrt.
Der erste Schritt: Gaaaaanz ruhig!
Die Musik ist gerade so laut, dass man sie noch hören kann. In dem Moment, in dem sie beginnt, schließen wir die Augen und atmen ruhig, aber tief ein. Die Luft können wir ein wenig halten. Dann atmen wir langsam wieder aus. Der Atemrythmus sollte sich nach drei, vier Atemzügen eingependelt haben, so dass wir nun beginnen können, bei den Zehen angefangen, uns langsam zu entspannen. Die Unterschenkel werden nun schwer und angenehm warm, die Oberschenkel folgen. Dann der Unterleib. Mit jedem Ausatmen wandert die warme Schwere weiter unseren Körper hinauf: Den Bauch, die Brust, den Kopf, den Unterkiefer, die Zunge, danach die Arme, die Hände und die Finger. Wir behalten dieses Gefühl der totalen Entspannung ein paar weitere Atemzüge einfach nur bei. Unsere Gedanken füllen wir mit Wasser, so dass sie dumpf und weit entfernt
klingen.
Diesen Zustand solltet ihr so genau wie möglich im Gedächtnis verankern.
Es lohnt sich für Anfänger, vorerst hier aufzuhören und ein paar Abende nur diese Entspannungsübung zu machen, bis sie richtig sitzt. Lasst den zweiten Schritt einfach aus und widmet euch diesem, wenn ihr keine Probleme mehr habt, den Zustand der Entspanung zu erreichen.
Der zweite Schritt: Don’t dream it, be it!
Die Welt ist weit weg. Alles ist so schön warm, unser Körper so entspannt, unsere Gedanken stecken unter einer flauschigen Decke der Gleichgültigkeit und hinter unseren Augen erscheint ein wunderbares, weißes Licht. Das bleibt eine Weile unverändert, dann füllt es unseren Kopf von innen aus und strahlt weiter, bis in den Kehlkopf. Wieder bleibt es einen Atemzug so. Beim nächsten Einatmen geht die nächste Lampe, nun in unserer Brust, an. Das Licht breitet sich ebenfalls aus und wartet noch einen Atemzug, bis es sich im gesamten Bauch befindet. Der nächste Atemzug und wieder geht ein Licht an,
diesmal in unserem Unterleib. Die nächsten Atemzüge verbringen wir damit, dass sich das Licht von den drei Lichtquellen aus in unserem gesamten Körper
breit macht. Wir spüren es die Beine hinunterstrahlen, wir spüren, wie es die Arme ausfüllt, wir spüren, wie es in den Zehenspitzen ankommt und uns mit der Energie, die in der Erde schlummert verbindet. Wir spüren, wie das Licht am obersten Punkt unseres Kopfes besonders hell leuchtet und sich mit einer Kraft vereinigt, die Dimensionen durchstrahlt.
Wir spüren, daß das Licht aus den Fingerspitzen der rechten Hand herausströmt und spüren die Verbindung mit einem allumfassenden Netz aus Energie, das wie feine Blutgefäße die Welt umspannt und dessen Energie in die Fingerspitzen unserer linken Hand hineinfließt. Dann spüren wir den Fluss der Energien durch unseren ganzen Körper: Einerseits den horizontalen, der wie warmes, belebendes Wasser von der linken Hand hinein in den Arm, durch Brust und Bauch hindurch nach rechts, in den rechten Arm und zur rechten Hand wieder hinausfließt; andererseits den vertikalen, der ruhig, hell und reinigend oben an unserer Scheitelspitze hereinstrahlt und langsam bis zu unseren Füßen nach unten flutet, wo er wieder austritt.
Wir bemerken, dass der horizontale Strom ein Kreislauf ist und fast wie elektrischer Strom spürbar ist. Der vertikale aber zieht in gerader Richtung von oben nach unten, ohne Wärme oder Reibung zu erzeugen. Wir befinden uns mitten im Kreuzungspunkt dieser beiden Ströme. Diesen Zustand halten wir ein paar Minuten, solange, wie die Musik noch läuft. Es kann sein, dass wir dabei etwas Spannung aufbauen, etwas schneller atmen oder sogar seufzen, aber das ist nicht schlimm.
Dann ist die Musik aus und wir beginnen, das Leuchten in uns langsam abzuschwächen, bis es wieder weg ist. Brecht nicht die Verbindung mit der Energie ab, sondern fahrt nur das Licht herunter, bis es wieder so dunkel wie zuvor ist, das reicht völlig.
Der dritte Schritt: Hallo wach!
Nun klärt euren Geist. Lasst euch Zeit und sammelt in Gedanken eure Glieder wieder ein. Wackelt mit den Zehen. Streckt eure Finger etwas. Dann atmet ein-, zweimal etwas kräftiger aus. Bewegt die Schultern und die Knie ein wenig, dann den Kopf. Als letztes öffnet die Augen. Wartet noch ein wenig, bevor ihr aufsteht. Streckt euch und trinkt noch einen Schluck. Dann könnt ihr euch mal räuspern, kratzen oder die Augen reiben.
Na, zurück? Wie wars?
Epilog: Und wofür brauch’ ich das?
Wir können nun zwei Dinge: Uns in die beiden grundsätzlichen Energieströme einklinken und sie spüren. Und wir können etwas, was jeder, der mit der Magie falsch beginnt oder Schlumpfenmagie nach Crowley lernt, nicht kann: sie von Anfang an unterscheiden. Das ist eine der wichtigsten Vorraussetzungen für einen wirklich selbständigen Umgang mit Magie. Könntet ihr nicht genau bestimmen, woher ihr eure Energie für eine magische Handlung holt, oder auf welchem Weg ihr sie entlasst, bräuchtet ihr ständig einen großen Schlumpf oder Meister, der euch sagt, wo es langgeht. Dies ist aber nicht Sinn der Sache. Das wäre so, wie wenn ihr euch ein Auto kauft, aber den Schlüssel nicht selber umdrehen könntet.
Es ist andererseits natürlich bei weitem nicht notwendig, immer alles selbst zu machen. Es ist gerade bei Ritualen mit mehreren Personen wichtig, dass genau geklärt ist, wer die Arbeit macht. Bei Traditionen wie den Kelten oder Asatru ist das der Priester oder die Priesterin, also ein Gode oder Druide oder weiße Frau oder wie auch immer, so dass die Leitung des Rituals in erfahrenen Händen liegt. Aber es ist, selbst wenn man nicht aktiv an der Arbeit beteiligt ist, nicht verkehrt zu wissen, was gerade abgeht.
Seht euch eine Priesterin oder einen Priester beim Ritual an.
Sie schliessen den Kreis, indem sie den horizontalen Energiestrom mit den im Kreis stehenden Leuten so verknüpfen, dass ein geschlossenes Feld entsteht. Dann
rufen sie Götter, Kräfte oder was auch immer und öffnen dadurch einen Kanal für einen Aspekt der vertikalen Energie, die dieses geschlossene Feld ausfüllt und die Personen im Kreis spüren diese Kraft (jedenfalls sollten sie das). Der Priester kann nun diese Energien modifizieren, mit Formeln, mit Gesten und mit seinem Willen. Er kann Dinge
bewirken... und nichts anderes ist es doch, was Magie per definitionem tut.
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