 |
 |
Einführung in die Magie - Teil 4
"It‘s a big universe. Some things are talking-monkey work."
- Christopher Walken als Gabriel in "The Prophecy"
Willkommen beim letzten Teil unserer Einführung in die Magie. Zum Schluss das Beste: Der magische Angriff und wie man sich davor schützt. Es gibt eine kurze Version und eine lange. Die Kurze zuerst. Der magische Angriff ist ein hübsches kleines Stück Psychologie und man verteidigt sich am besten mit Ignoranz. Falls dies aus irgendeinem Grund nicht möglich sein sollte, behilft man sich mit der nun natürlich auch folgenden langen Version.
Der Angriff
Wie stellen wir uns einen magischen Angriff vor? Da steht jemand mit einer kleinen Puppe vor einem Rauchopfer und piekt kleine Nadeln hinein. Jemand anderes tanzt um ein Foto, an dem ein Haar des Delinquenten liegt und stößt zu guter Letzt voller Inbrunst ein Messer hinein. Eine Gruppe von schwarzbemützten unheilvoll murmelnden Gestalten hacken einem unschuldigen Huhn auf dem Friedhof die Rübe ab und aus dem off
streichen die Geigen eine schräge Melodie in Blut-Moll.
Es gibt noch einige Variationen mehr, aber letztlich gibt es einen gemeinsamen Faktor: Der oder die Ausführende/n bauen in einer Zeremonie eine Bedrohung für jemanden auf, der symbolisch dem Geschehen hilflos ausgeliefert ist. Die Spannung, die dabei entsteht, nimmt der/die Ausführende dabei auf und verspürt ein Gefühl wachsender Macht. Da das Opfer nicht anwesend ist, kann diese Macht voll ausgekostet werden, denn es gibt keine Gegenwehr. Zorn wächst und breitet sich aus und wird fokussiert auf das Objekt der Rache und schließlich kulminiert diese ins immense gesteigerte Wut in einen Rausch, der sich zu seinem Höhepunkt in einen einzigen kraftvollen Schlag/Stich in das Symbol der gehassten Person komplett entlädt. Zurück bleibt eine höchst zufriedene, meist sogar glückliche Person, die davon überzeugt ist, allen Hass und alle Wut, die sie unserem bemitleidenswerten Opfer gegenüber empfunden hat, genommen, gebündelt und ihm mit tödlicher Heftigkeit ins Herz gestoßen zu haben. Jaaaaa, das befreit, das ist gesund! Das tut gut und zufrieden kann man ins Bettchen fallen und endlich mal was schönes träumen und die verletzte Seele hat endlich ihren Frieden und kann sich mal ums heilen kümmern.
So sollte ein Angriff sein, denn nun ist es völlig unerheblich, ob dem gehassten Menschen noch etwas passiert oder nicht. Kleine logische Hilfe dabei: Das Ganze klappt nur dann, wenn man alle seine Wut zusammennimmt und sich nichts zurückhält. Das hat zur Folge, dass mich das weitere Wohlergehen des Angegriffenen nicht mehr interessiert, denn dann wäre ich ja noch stinkig und dann hats auch nicht geklappt und ihm würde dann demzufolge auf keinen Fall etwas passieren. Passiert ihm nun dennoch nichts, egal. Fährt er sein Auto gegen einen Baum, tja, Pech gehabt. Nur: die Wahrscheinlichkeit, dass er gegen einen Baum fährt, weil er zu blöd zum autofahren ist, ist um Längen größer als die, dass er auf Grund eines magischen Angriffs das Holz küsst.
Nun gibt es aber auch noch ganz andere "magische Angriffe": Du findest einen toten Frosch unter deiner Fußmatte oder eine Rune auf dem rechten Hinterrad. Oder jemand ruft an und raunt ein "der Teufel wird dich morgen holen!" in den Hörer. Oder du weißt, wer dich zu seinem Opfer erkoren hat und der macht
jedes mal so komische Handbewegungen, wenn er dich sieht und geht dann böse grinsend davon.
Das ist dann wirklich etwas, wogegen du dich wehren musst. Allerdings geht es hier nicht um Magie, sondern um psychologische Kriegsführung. Denn was derjenige versucht, ist klar: Er setzt bedrohlich wirkende Signale, die dich beunruhigen und dadurch unkonzentriert machen sollen. Und wenn du unkonzentriert bist, passieren dir immer öfter kleine Missgeschicke, die dich um so mehr davon überzeugen, dass hier etwas nicht stimmt. Nun ist das Ego leider ein wenig doof, denn es kombiniert leider ein wenig zu einfach: Der Typ da hat gesagt, dass es mir übel ergeht, mir ist heute das Butterbrot zweimal runtergefallen, ergo der hat Schuld und beeinflusst mich (hat er ja auch gesagt). Das führt zum nächsten Schritt: Die Missgeschicke werden immer mehr, die Unsicherheit immer größer, die Überzeugung, dass dich der Kerl dort "magisch angreift" immer gewisser und so weiter. Irgendwann marschierst du über die Straße und übersiehst vor lauter Zappeligkeit den Laster, der dich prompt auf den Kühler nimmt...
Das ist der "magische Angriff", gegen den du dich Verteidigen musst.
Die Verteidigung
Nun ist man mit seinem dummen Ego nicht immer so im Reinen, wie man es bräuchte und kann nicht einfach sagen: He, netter Versuch. Geh zum Varieté, die brauchen immer wieder Suggestionskünstler. Aber man kann genehme Bilder finden, die die Psychosuggestionen des bösen Buben aufheben und sogar umkehren können. Und was besonders schön ist, die wirken auch bei weitaus ungefährlicheren Situationen: Wenn der Chef einen Rund machen will, wenn ein Kollege mobben mag oder wenn der Depp am Bankschalter in einem Anflug von beamtischen Größenwahn meint, ihm gehöre die Bank und du müsstest ihm schon ein wenig mehr huldigen, damit er dir die Erhöhung des Dispokredites gewährt.
Der Trick geht so:
Stelle dir vor, du befindest dich mitten in einer gelben Energiekugel, die dich wie eine schützende Seifenblase umgibt. Wie? Gelb ist für dich nicht die richtige Farbe, um Schutz vor verbalen Tätlichkeiten zu erzeugen? Na dann nimm einfach eine andere, die dir mehr zusagt. Um den Eindruck zu verstärken, stelle dir vor, dass alle Geräusche etwas leiser und dumpfer zu dir durchdringen, so als ob du nicht einen sondern zehn Meter von dem nervigen Knaben entfernt bist. Sei dir Gewiss darüber, dass alles, was durch
dessen Energieschirm durchkommt gereinigt von Emotionen und bösen Absichten ist (Daher kommt auch nur noch die reine Information durch, weshalb der Ton sich so anhört, als ob du Mittelwelle hörst). Sei dir darüber
hinaus noch Gewiss, dass alles, was dich nichts angeht (Hass, Ärger, Verachtung, Bedrohung) von deinem Schutzschirm abprallt und direkt zum Absender zurückgeworfen wird. Das kann man nach einer Weile direkt sehen, wenn dein Gegenüber nämlich beginnt, immer Vorsichtiger zu werden und irgendwann entweder völlig die Beherrschung verliert und Rumpelztilzchen spielt (Dann sollte man dem Armen eine HB anbieten), oder er wird vernünftig und spricht so mit dir, wie du es erwartest.
Wenn der Gute am Mobben ist, funktioniert dieser Trick ebenso
gut. Dann musst du dir lediglich zusätzlich vorstellen, das die Hülle deiner Blase verspiegelt ist (so wie bei diesen eher hässlichen Sonnenbrillen, die Manni so cool findet). Dieser Spiegel wirft alles so zurück, dass die Wahrheit gezeigt wird. Du wirst sehen, dass diese Methode zwar keine Wunder vollbringt, aber es schont die Nerven und verhindert, dass der liebe Kollege
Erfolg hat. Ebenso geht es dem "magischen Angreifer". Er wird derjenige sein, der immer unruhiger und nervöser wird, da sein Vorgehen keine Erfolge zeigt. Und das wird ihn wiederum ungeduldiger und unzufriedener machen. Und dann kannst du ihn mit den eigenen Waffen schlagen. So in der Art "naja, die Nacht im Wald hat sich ja anscheinend gelohnt, du siehst ja
gar nicht gut aus".
Diese energetische Blase kann man natürlich variieren, wie man mag. Blau, wenn man Ruhe ausstrahlen will, grün, wenn man jemanden von seinen guten Absichten überzeugen möchte, und so weiter. Die
Erzeugung der Blase bleibt in jedem Fall immer dieselbe:
Rufe dir bei einem ruhigen langen Atemholen das Gefühl ins Gedächtnis, von dem ich im letzten Teil der Einführung sagte, dass du es dir merken solltest. Beim Ausatmen bläht sich problemlos aus der Mitte deines Brustkorbs heraus die Energiekugel in
der gewünschten Farbe und Konsistenz. Den nächsten Atemzug kannst du dich
noch mal konzentrieren, um dein Werk in den schillerndsten Details zu sehen, bevor du die Kugel so transparent machst, wie möglich, ohne dass du vergisst, dass sie noch da ist.
Und das wars schon. Du lebst in einer Welt in der es neben all den anderen Dingen Magie gibt. Das ist auch etwas, was du nicht vergessen solltest. Verleumdung, Beleidigung, üble Nachrede, Nötigung und all das sind Begriffe, aus denen ein Anwalt neben deinen magischen Aktionen noch ein ganz gehöriges Stück "realer" Konsequenzen für unseren Freund "Angreifer" herauskitzeln kann. Denn die Magie ersetzt dir kein Stück der bisherigen Welt. Sie ergänzt sie und wer das vergisst, steht hinterher armseliger da als jeder, der Magie nicht als Teil
seines Weltbildes akzeptiert. Und das sind dann die Jungs und Mädels, die die ach so mächtigen Zauber beherrschen, aber ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen. Die sich mit schicken Phantasienamen eine Scheinrealität zusammenschustern und stinkesauer sind, wenn man sie zu Recht auslacht. Denn ein Magier weiß immer, wo er steht, denn Magie wirkt auch immer nur dort, wo man sich gerade befindet. Und wenn das nicht der Boden der Tatsachen ist, kann Magie nicht real funktionieren. Wer in den Wolken seiner Traumwelt Magie betreibt, wird seine Traumwelt verändern können, aber niemals die Wirklichkeit.
|
 |