 |
 |
Magie im Alltag - Teil 2 "...und denkt dran: Dort wo ihr hingeht, dort seid ihr dann."
- Buckaroo Banzai in "Buckaroo Banzai und die 8.Dimension" In dem letzten
Artikel ging es darum, auf der Suche nach der verloren geglaubten Magie einen neuen Blickwinkel einzunehmen und sie dadurch auch in dieser Welt wiederzufinden. In diesem
Kapitel möchte ich etwas genauer auf die Suche gehen... Die alten Orte Bestandsaufnahme: Atlantis? Ist untergegangen, wenn es es überhaupt gegeben hat. Thule? Nichts von übrig. Camelot? Unauffindbar. Salem? Schon eher, aber nur unter großen Schwierigkeiten zu betreten. Shangri-La? Vergiss es. Wo sind denn die wahren magischen Orte von heute? Wie finden wir die "heiligen Plätze", die nicht zerstört, verwittert oder ganz verschwunden sind? Hat Stonehenge oder die Pyramiden noch die Kraft, einem Besucher etwas zu geben, wenn sie sich schon kaum mehr selbst erhalten können? Und wenn, warum sollten wir ausgerechnet dort die Magie suchen, wenn der Ort selbst schon alles für sich selbst benötigt um nicht gänzlich unterzugehen? Sehen wir doch mal nach, was die naturreligiösen Völker damals gemacht haben, denn die wenigsten hatten doch die Gelegenheit, einen dieser großartigen Plätze zu besuchen. Die nächste Umgebung war die ganze Welt. Das bedeutet doch aber, dass es für unsere Vorfahren irgendwo in der Nähe ihres Aufenthaltsortes eine Stelle gab, an der sie ihre Feste feiern konnten, Rituale abhielten oder sie sich
sonst wie den Zugang zur Magie erschlossen. Das waren Orte wie Haine, kleine Kreise, Quellen, meist von der Natur selbst bereitgestellt und homogen eingebettet ins Leben und in die Landschaft. Später wurden diese Orte mehr und mehr geschützt. Durch höhere Steine, durch Mauern, kunstvolle Gebäude, Tore und Türen. Ob dieser Schutz tatsächlich der dem Ort innewohnenden Magie galt oder Mode wurde, weil die Menschen begannen, sich selbst zu privatisieren und den Drang hatten ungestört von der "profanen" Welt Religion und Magie zu erleben ist dabei für uns nebensächlich. Wichtig ist, dass die jeweils aktuelle Form der Ausübung von Religion und Magie selbstverständlich war. In der Zeit der Haine und freien Himmel wurde
ebenso wenig darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre ein Dach über sich aufzubauen, wie später auch nicht ständig gefragt wurde, ob man nicht besser rausgehen könnte. Die vier Vorraussetzungen für eine gute Suppe Heute ist die Situation anders. Der Pluralismus in dem wir leben erlaubt uns fast alles, ohne dass einen jemand wegen Ketzerei auf den Scheiterhaufen schnallt (das höchste der Gefühle ist eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, wenn wir meinen, nackend im Wald ohne Schutzkreis ein Initiationsritual abhalten zu müssen). Wir haben einen weitaus größeren Bewegungskreis, örtlich wie spirituell. Wir können variieren wie wir wollen, wir haben eine Riesenauswahl an Informationsquellen, an Werkzeugen und Hilfsmittel für magische Handlungen. Aber wir haben auch die ständige Möglichkeit, zu hinterfragen. Damals hat keiner gefragt: "Wie könnten wir unser Ritual denn am besten vorbereiten? Wie soll es denn ablaufen und vor allem WO?", da waren diese Fragen nicht nötig, aber man hatte auch nicht wirklich die Wahl. Nun, mir ist die Wahl zu haben lieber. Aber die richtige Wahl zu treffen muss man üben. Wie
Meister Yoda schon sagte: "Es gibt kein Versuchen, tu es oder tu es nicht." – Triffst du die falschen Vorbereitungen, wird es nicht gelingen. Eine magische Handlung hat – entgegen der Annahme in vielen Fantasy- und Horrorstories – nur zwei Wirkungen: Keine oder die Gewollte. Die erste Vorraussetzung für den Erfolg ist, zu wissen wer man ist und wo man sich befindet, im Reinen mit sich zu sein und korrekte Informationen zu haben. Die Zweite, die Magie in sich fliessen zu lassen. Beides war Thema des
ersten Teils dieser Artikelreihe. Die dritte Vorraussetzung ist das Finden des richtigen Ortes und Zeitpunktes. Die vierte ist, zu wissen, was man tut. Uns geht es im Moment um die dritte Vorraussetzung. Ort und
Zeit. The place is here and the time is now Etwas polemisch, aber nicht falsch: "Der Ort ist hier und die Zeit ist Jetzt" – ohne diese Sicherheit kann Magie nicht wirken. Nur der Weg zu diesem Punkt beinhaltet eine schwierige Phase: das Suchen. Solange man sucht, kann der zweite Teil nicht zutreffen und das kann uns ziemlich in Schwierigkeiten bringen. Es ist aber auch verflixt: Da hat man mit 20 schon mehr Wissen als der größte Teil unserer naturreligiösen Vorfahren und können nicht mal eben in den Steinkreis nebenan marschieren um es zu nutzen, weil es einfach keine mehr gibt. Aber was hält uns denn ab? Warum sollten wir eigentlich nicht im Garten einen eigenen Steinkreis anlegen? Oder in den Wald marschieren und fix einen Hain mit Bändern abstecken? Oder man sucht die vorhandenen Ressourcen: eine schöne Kirche ist wie geschaffen für Magie, denn die sind meist
architektonisch auf spirituelle und metaphysische Ziele gerichtet und
erleichtern einem dadurch erheblich die Arbeit – wer sagt denn, dass Kirchen nur von Christen benutzt werden dürfen? In katholischen Gotteshäusern findet ihr immer einen Marienaltar: dieser ist eine waschechte Reminiszens an die heidnische Göttin. In alten Kirchen und vor allem in Kathedralen und in den wunderschönen Domen, von denen wir noch recht viele herumstehen haben, wussten die Erbauer dies ebenso wie die Künstler, die die Altäre und Statuen geschaffen haben, weshalb man sehr oft Symbole und Darstellungen findet, die es einfach machen, hinter die vordergründige christliche Fassade zu blicken: Die Maria steht auf einer Mondsichel, ein Drache schaut verschmitzt hinter ihrem Kleid hervor und die Krone sind die Strahlen von sieben Sternen. Der Mantel ist außen blau und innen silbern, irgendein Kleidungsstück ist immer blutrot. Es lohnt sich, sich mit diesem Teil unserer Kulturgeschichte
auseinander zu setzen, denn es gibt noch so viele christliche Heilige und Helden, die einfach nur aus dem Heidentum in die "neue Religion" hinüberemigriert sind und dort inkognito ihr Leben weiterführen. Ein anderer Vorteil von Kirchen ist die Lage: Oft genug wurden Kirchen auf den Überresten älterer Kultplätze gebaut. Vermutlich
nicht mal so sehr, um deren "Höherwertigkeit" zu beweisen sondern einfach, weil dort
nun mal der Platz ist, an dem die aktuelle Religion schon immer ausgeübt wurde. Und warum sollten wir diese Tradition nicht weiterführen? Nun sind Kirchen nicht jedermanns Sache. Aber weiten wir doch die Überlegung aus auf andere Örtlichkeiten. Geschützte Haine gibt es zum Beispiel auch heute noch in Form von Parkanlagen. Oder wo sind die starken Energien heute, die mit materiellen Dingen zu tun haben? Es gibt Banken, die sehen aus und sind eingerichtet wie Tempel. Nutzen wir sie. Magie stinkt nicht, also kann ich auch in die Bank gehen, wenn ich meine beruflichen oder finanziellen Interessen auf magischem Wege auf den Weg bringe. Keiner wird bemerken, dass ich nur eine Weile auf den Sesseln sitze und wieder gehe, anstatt tatsächlich einen Schalter aufzusuchen. Oder suche ich Wissen? Die sagenumwobene Bibliothek von Alexandria hat ganz bestimmt weniger Worte gefasst als die Unibibliothek in Heidelberg. Also auf in die Bücherei und dort ein stilles Ritual gehalten...voilá. Aber auch aus der eigenen Wohnung ist viel mehr machbar als zu früheren Zeiten. Die Größe des Wohnraums und seine Flexibilität erlaubt uns Ecken und Räume einzurichten, die unseren eigenen Vorstellungen eines ordentlichen spirituellen Platzes entspricht. Wir können in der heutigen Zeit alle möglichen rituellen Gegenstände kaufen oder selber herstellen, die unsere Vorfahren nur von Weitem in den Händen der wenigen Priester, weisen Frauen, Hexen und Magier gesehen haben. Es gibt heute genügend Anleitungen, ob aus Büchern, von Menschen oder aus anderen Quellen, die uns die Möglichkeit geben, einen ganz persönlichen magischen Ort zu erschaffen. Und wenn wir diesen Ort
erst mal haben stellen wir nach nicht all zu langer Zeit fest, dass wir ihn im Geiste überall hin mitnehmen können... Hail Ätläntis! Und dann schließt sich der Kreis auch schon wieder, denn wir können etwas, das früher nicht möglich war und das auch damit zusammenhängt, daß wir sehr viel mehr unterwegs sind als unsere Ahnen. Unsere Vorstellung nutzen, um magische Orte jederzeit auf- und abzubauen. Auf dem Weg zu einem wichtigen Gespräch an der Ampel zu stehen und die Wartezeit zu nutzen, um in Gedanken einen Flammenkreis um sich aufzubauen, einen kurzen Impuls zu visualisieren mit der Kraft, meines Gesprächspartners Ehrlichkeit einzufordern und sein Vertrauen in mich zu stärken, die Lichtreflexe und Stromleitungen zu erspüren, um diesen Impuls zu verstärken und auszusenden, den Kreis wieder abzubauen, über die Straße zu gehen und dann ein angenehmes Gespräch zu führen: das ist die Magie des richtigen Zeitpunktes. Der Ort ist dann tatsächlich einfach nur "hier".
Und bei größeren Vorhaben? Da bin ich dann doch auch mal ganz gerne in Atlantis, in Stonehenge wie es früher war, auf Camelot... die Orte, an denen Magie sich sammelt sind ja auch virtuell vorhanden. Als gemeinsame Vorstellung von Millionen Menschen mit Energie versorgt. Ich habe mich für eine etwas unfeinere Aktion auch
schon mal mit Erfolg in den Kommandoraum des Todessterns aus Star Wars versetzt und wie Grand Moff Tarkin "Feuern, wenn bereit" gesagt. Dass dieser Raum, dieser Satz und die folgende Szene von so vielen Menschen gesehen und erlebt wurde ließ den Umstand, dass es ihn "physikalisch"
gar nicht gibt völlig nebensächlich sein und für mein Vorhaben nicht weiter von Belang. Andererseits war ich mir der Tatsachen völlig
bewusst. Denn mein Coup hätte nicht funktioniert, wenn ich mich einfach nur in eine Traumwelt versetzt hätte.
Also, nutzt die Ressourcen in eurer Gegend, verändert euren direkten Wohnraum und findet Möglichkeiten, magische Orte auch in der heutigen Zeit zu finden und zu erfinden. Und denkt an Buckaroo Banzai, der hat nämlich völlig Recht.
|
 |